Leon Weintraub

Die Versöhnung mit dem Bösen

Geschichte eines Weiterlebens
Cover: Die Versöhnung mit dem Bösen
Wallstein Verlag, Göttingen 2022
ISBN 9783835352322
Gebunden, 292 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Leon Weintraub (geb. 1926) wurde ab 1940 von den Nazis gezwungen, mit seiner Familie im Getto Litzmannstadt zu leben und Zwangsarbeit zu leisten. Die dabei erlernten Fertigkeiten bewahrten ihn vermutlich vor dem Tod: Bei der Auflösung des Gettos 1944 wurden die Inhaftierten in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort umgebracht. Weintraub jedoch gelang es, sich als Arbeitshäftling auszugeben und so der Ermordung zu entgehen. In den Wirren der letzten Kriegsmonate überlebte er mehrere der brutalen Verlegungsaktionen der Nazis, bis ihm schließlich auf einem der Transporte die Flucht gelang. Ein Großteil seiner Familie überlebte den Holocaust nicht. In den Gesprächen mit der Journalistin Magda Jaros erzählt Leon Weintraub von seiner Kindheit in Lódz und seinem Weiterleben nach dem Krieg: seinem Studium der Medizin in Göttingen, seiner Karriere in Polen und seiner Auswanderung nach Schweden aufgrund der antisemitischen März-Unruhen 1968. Es ist die Geschichte einer Versöhnung nach unsagbarem Leid - aber auch eine Mahnung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2023

Angesichts des Shoah-Gedenktages am 27. Januar widmet sich die SZ (online) drei Büchern von Überlebenden. Von seinem Leben und Überleben im Ghetto Lodz und verschiedenen Konzentrationslagern berichtet Leon Weintraub in Interviewform und für Knud von Harbou steht hier vor allem sein Wille zur Versöhnung, aber nicht Vergebung für das Geschehene im Zentrum. Weintraub habe sich aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus wie "im Kokon" von den Geschehnissen abgekoppelt, was der Rezensent auch dem Erzählstil anmerkt und für ihn das Grausame der Taten umso deutlicher hervorhebt. Er bescheinigt dem Erzählenden zudem ein gutes Gedächtnis, aber auch ein gewisses Verschwinden der Person Weintraub hinter den Ereignissen. Für von Harbou besonders deshalb ein ungewöhnliches Buch, weil es die Suche nach selbsterhaltenden Auswegen aus dem Inferno so zentral in den Blick nimmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.11.2022

"Eine beeindruckende Erzählung." Das sind für Matthias Arnig die Gespräche, die der Pole Leon Weintraub mit der Journalistin Magda Jaros über sein Leben geführt hat - seine Jugend im Getto Lodz, als Arzt in seinem Heimatland und in Schweden. In seiner Rezension spürt Arnig dem Schicksal von Weintraub nach: Wie er die Grausamkeiten der SS erlebte, womit 160.000 Menschen ihr Überleben improvisierten und ihm Ende 1944 die Flucht gelang. Arnig enthält sich jeder weiteren Wertung, auch wenn Weintraub vom Antisemitismus im Polen der Nachkriegsjahre erzählt, die ihn veranlasste auszuwandern, um sich bis heute als Zeitzeuge des 20. Jahrhundert und nicht als "Opfer von Diskriminierung und Gewalt" an die Vergangenheit zu erinnern.

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