Christian Gerlach

Der Mord an den europäischen Juden

Ursachen, Ereignisse, Dimensionen
Cover: Der Mord an den europäischen Juden
C. H. Beck Verlag, München 2017
ISBN 9783406707117
Gebunden, 576 Seiten, 29,99 EUR

Klappentext

Christian Gerlach bietet mit diesem Überblick eine nach Themen geordnete Analyse der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden und schließt zugleich eine Lücke. Seine Studie untersucht erstmals systematisch das Vorgehen nichtdeutscher Regierungen und Gesellschaften gegen Juden. So kann sie zeigen, dass der Mord an den europäischen Juden ein Prozess war, an dem sich viele Gruppen mit ganz unterschiedlichen Motiven beteiligt haben. Nach einem kurzen chronologischen Aufriss analysiert Christian Gerlach der Reihe nach zentrale Themenkomplexe wie Kriegführung, Außenpolitik, rassistisches Denken, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie die Verfolgung nichtjüdischer Opfergruppen. Indem er sie in einen Wirkungszusammenhang stellt, legt er wichtige Aspekte jenseits der üblichen Erklärungsmuster frei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.05.2017

Ludger Heid erfährt aus der Studie des Historikers Christian Gerlach mehr als über den Mord an den europäischen Juden. Mit in eine solche Arbeit gehören für den Autor laut Rezensent sowohl nichtdeutsche Regierungen und Gesellschaften als Täter, aber auch nichtjüdische Opfer. Mehr Analyse als Erzählung, wie Heid anmerkt, bietet der Text vergleichende Perspektiven und einen Blick auf Massengewalt als Geschichte sozialer Akteure. Wie effizient gewaltsam der Judenmord sich gestaltete, kann Gerlach dem Rezensenten auseinandersetzen, wenngleich auch in Teilen nur allgemein und vorläufig, sodass Heid Anlass und Aufgabe für weitere Forschung erkennt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.04.2017

Klaus Hillenbrand bespricht Christian Gerlachs Studie zum "Mord an den europäischen Juden" mit gemischten Gefühlen. Das Verdienst des Historikers, den Holocaust in einem breiteren Kontext zu untersuchen und die Zusammenhänge zwischen Ökonomie und Vernichtung, Kriegsführung, ausländischen Akteuren und rassistischen Stereotypen zu analysieren, ist nicht zu gering zu achten, meint der Kritiker. In dem fakten- und belegreichen Buch liest er nicht nur nach, welche Mitverantwortung die mit NS-Deutschland verbündeten Staaten trugen und wie inkohärent die NS-Ideologie war, sondern erfährt auch, dass die "Hungerpolitik" der Nazis den Mord an Millionen sowjetischer Bürger begründete und den Massenmord an den Juden beschleunigte. Gerlachs "rohe" Sprache macht die Lektüre für den Rezensenten allerdings nur schwer erträglich: Auf Empathie, Schilderungen von Einzelschicksalen oder Begriffe wie "Holocaust" und "Schoah" verzichtet der Autor vollkommen, informiert der Kritiker. Wenn Gerlach stattdessen von "Bruttosterberate", "Präventivmorden" oder "begrenzter Mordkapazität" spricht, ist das für Hillenbrand mehr als nur eine "lässliche Sünde".