Herausgegeben von Sascha Feuchert, Erwin Leibfried, Jörg Riecke und anderen. Zwischen 1940 und 1944 pferchten die Nationalsozialisten im besetzten Lodz (später umbenannt in Litzmannstadt) nahezu 200.000 Juden auf etwas mehr als vier Quadratkilometern zusammen. Zu den erschütterndsten Dokumenten aus dem Getto Litzmannstadt gehört die so genannte Getto-Chronik. Dieser rund 2000-seitige Text wurde seit 1941 auf Polnisch und Deutsch im Archiv der Verwaltung des "Judenältesten von Litzmannstadt-Getto" erstellt. Wie eine Zeitung, die sich aus Sicherheitsgründen einer internen Zensur unterwarf, verzeichnet die Chronik akribisch die Ereignisse im Getto, gibt Einblicke in die kursierenden Gerüchte und widmet selbst dem "Getto-Humor" eine eigene Rubrik. Mehr als 15 Mitarbeiter - überwiegend Journalisten und Schriftsteller - schrieben täglich an der Chronik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.04.2008
Beeindruckt zeigt sich Jens-Jürgen Ventzki von der Chronik des Gettos Lodz, die das Leben und Sterben dort von 1941 bis 1944 eindringlich dokumentiert. Keiner, der sich ernsthaft für die Verfolgung und Vernichtung der Juden in den von den Deutschen besetzten polnischen Gebieten interessiert, wird seines Erachtens an diesem Werk vorbeikommen - schon wegen der Genauigkeit, des Umfangs und der Authentizität der Aufzeichnungen. Er würdigt den historischen Wert dieser Chronik, die er für das umfassendste und präziseste Dokument über die Lebensumstände in einem von den Nazis eingerichteten Getto hält. Mit hohem Lob bedenkt er die verdienstvolle Arbeit der Herausgeber, die eine vorbildliche philologische Edition der Chronik geschaffen haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.02.2008
Einen "Glücksfall" sieht Rezensent Hanno Loewy in dieser deutschen Ausgabe der Chronik des Gettos von Lodz, die in langwieriger Arbeit entstanden ist. Aus über 6000 Seiten Typoskripten ist sie entstanden, die verstreut über zahlreiche Archive in Polen, Israel und den USA lagen. Die von deutsch- und polnischsprachigen Journalisten und Schriftstellern verfasste, vom Oberhaupt des Judenrates Mordechai Chaim Rumkowski initiierte Chronik ist in seinen Augen ein Protokoll des langsamen Sterbens im Getto von Lodz. Die minutiöse Dokumentation des alltäglichen Lebens der Stadt vermittelt für ihn die "Illusion von Normalität", die sich sprachlich in Chiffren und Andeutungen, Floskeln und Euphemismen und diversen Codes niederschlägt. Loewy spricht hier von einer "Sprache der Mehrdeutigkeit, gesättigt durch zahlreiche autobiografische und literarische Quellen". Mit hohem Lob bedenkt er in diesem Zusammenhang die ausgezeichnete Kommentierung der Chronik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007
Als "Meilenstein der Geschichtsschreibung zur Shoa" würdigt Andreas Platthaus diese erste vollständige Ausgabe der Chronik des Gettos von Lodz, die Sascha Feuchert, Erwin Leibfried und Jörg Riecke herausgegeben haben. Die vier Bände mit Aufzeichnungen sowie der fünfte Band mit Supplementen, Essays und Register bieten seines Erachtens einen einzigartigen Einblick in den Überlebenskampf der Menschen im Getto. Höchste Anerkennung zollt er auch der umfangreichen Kommentierung durch die Herausgeber. Ausführlich berichtet Platthaus über die Organisation des Gettos und den von der deutschen Gettoverwaltung eingesetzten Mordechai Chaim Rumokowski, der auch für das jüdische Archiv verantwortlich war, zu dessen Aufgaben die Führung einer Chronik gehörte. Die Aufzeichnungen der Chronisten vermitteln in seinen Augen ein überaus genaues Bild vom schrecklichen Elend der Menschen im Getto, dem Hunger, den grausamen Schikanen durch die Deutschen, den Deportationen. "In diesen Aufzeichnungen", hält Platthaus fest, "ist das Andenken von mehr als 160.000 Ermordeten aufgezeichnet".
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