Larry Siedentop

Die Erfindung des Individuums

Der Liberalismus und die westliche Welt

Klappentext

Aus dem Englischen von Hainer Kober. Mehr denn je geraten unsere bisher für selbstverständlich gehaltenen westlichen Werte unter Druck. Der sich rasant ausbreitende islamische Fundamentalismus, aber auch das autoritäre China treten als machtvolle Antipoden zum westlichen Liberalismus, zur Idee der Freiheit und des Rechts des Individuums auf die Bühne der Weltgeschichte. Vor diesem Hintergrund nimmt Larry Siedentop die Geschichte der Entstehung unseres westlichen Wertesystems neu in den Blick. In einem nahezu zwei Jahrtausende überspannenden Bogen erzählt er von den entscheidenden philosophischen Wendepunkten. Ein großer geschichtlich-philosophischer Wurf, der zeigt, was den Westen ausmacht - und einmal mehr zu Bewusstsein bringt, dass nur, wenn wir uns selbst verstehen, ein fruchtbares Gespräch mit anderen Kulturen möglich ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2016

Das Referat von Larry Siedentops Thesen durch den bekannten Politologen Jan-Werner Müller klingt zwar skeptisch, aber auf eine Kritik im einzelnen lässt er sich im Grunde nicht ein. Es handele sich geradezu um ein Pamphlet, so Müller. Mit Verve wolle Siedentop die westlich-universalistischen Ideen von Freiheit und Individuum im Christentum und im Mittelalter verwurzeln. Die Renaissancedenker, die sich auf die Antike bezogen, hätten laut Siedentop ein irriges Bild von antiker Demokratie gezeichnet, denn in der Antike seien das Individuum und der freie Wille nicht denkbar gewesen. Erst Apostel Paulus habe die Grundlage für diese Ideen gelegt. Es handelt sich durchaus um Kulturkämpfertum, so Müller. Siedentop habe weder Scheu vor dem Begriff des Abendlands, noch zögere er, den Islam als Herausforderer des Westens zu bezeichnen. Insgesamt, so Müller, wolle Siedentop der Welt die so christlich geprägte Demokratie Amerikas als Vorbild ans Herz legen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.12.2015

Stephan Speicher zeigt sich entsetzt angesichts der Unbedarftheit, mit der der Oxford-Autor Larry Siedentop in seinem Buch zum Teil versucht, einen christlich fundierten europäischen Liberalismus der Freiheit und Gleichheit gegen den islamischen Fundamentalismus und den Wirtschaftsliberalismus ins Feld zu führen. Dass Siedentop bei seinen Ausführungen über die heidnische Antike und das Mittelalter mitunter aus Anfänger-Sekundärliteratur zitiert anstatt aus den Primärquellen, macht Speicher sogar die durchaus vorhandenen richtigen Gedanken im Buch madig. Und auch den Verzicht auf die Darstellung der Gegenargumente zur These von der Erfindung des Individuums im Mittelalter kann der Rezensent dem Autor nicht nachsehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Hannah Bethke ärgert sich darüber, dass der amerikanisch-britische Politikwissenschaftler Larry Siedentop in seinem breit angelegten Versuch, die religiösen Grundlagen der westlichen Welt zu erkunden, die Chance verschenkt, die ideengeschichtliche Wirkung der christlichen Lehre als Kontrapunkt gegen den Agnostizismus zu setzen. Ferner scheint Bethke das Buch bei aller Belesenheit des Autors dennoch Vorurteile den Islam als Antipode "westlicher Identität" betreffend zu reproduzieren. Ob es eine "westliche Identität" überhaupt gibt, bezweifelt die Rezensentin darüber hinaus. Wenn Siedentop Paulus zum Urheber des Liberalismus ausruft, versteht Bethke das als Provokation, schließlich verschweige der Autor die dunklen Seiten der Kirchengeschichte.
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