Im Mittelpunkt der Studie stehen die USA des frühen 20. Jahrhunderts. Friedrich Jaeger untersucht die Transformationskrisen und Umbrucherfahrungen in den USA aus der Perspektive der Intellektuellen, die zum Kern des Progressive Movement gehörten. Sein Zugang ist dabei nicht rein ideengeschichtlicher Natur; er rückt vielmehr intellektuelle Entwürfe in den Kontext sozial- und politikgeschichtlicher Entwicklungen und leistet damit methodisch einen Beitrag zur Vermittlung von Ideengeschichte, Sozialgeschichte und Politikgeschichte. Die spezifisch amerikanische Variante "bürgerlicher Gesellschaft" wird greifbar; sie kann der historischen Bürgertumsforschung als Vergleichsfolie dienen und darüber hinaus den aktuellen politischen Debatten um die Bürger- und Zivilgesellschaft eine historische Dimension verleihen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.05.2002
Der nach den politischen Umstürzen des Jahres 1989 allgegenwärtige Begriff von der "Zivilgesellschaft" bringt die Erkenntnis zum Ausdruck, dass nicht nur die staatlichen Institutionen, sondern auch Bewegungen, Vereinigungen und Initiativen der Bürger wichtiger Bestandteil einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft sind. Friedrich Jaeger untersucht in seiner Studie erst einmal die Herkunft des Wortes (in seiner heutigen Verwendung) aus amerikanischen Debatten der 20-er Jahre mit kommunitaristischer Tendenz. Jaeger selbst sieht darin jedoch kein Gegenmodell zum Liberalismus, sondern eine stabilisierende Ergänzung. Hartmut Kaelble lobt die Habilitationsschrift als "gut geschrieben" und, was die Ursprünge des heutigen Kommunitarismus betrifft, "erhellend". Zwar hätte er sich eine Einbeziehung auch ostmitteleuropäischer Diskussionen um den Begriff gewünscht, das ändert aber nichts daran, dass er das Buch "sehr empfehlenswert" findet.
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