Ralf Dahrendorf

Auf der Suche nach einer neuen Ordnung

Eine Politik der Freiheit für das 21. Jahrhundert
Cover: Auf der Suche nach einer neuen Ordnung
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406505409
Gebunden, 147 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

In seinen Analysen stellt Ralf Dahrendorf dar, welche Gefahren der liberalen Ordnung in den demokratisch verfassten Staaten drohen und welche Hindernisse ihrer Etablierung in Ländern im Wege stehen, die sie kaum oder nie gekannt haben. In den westlichen Demokratien ist die Freiheit durch die demokratischer Willensbildung entzogene Globalisierung und den neuen illiberalen Regionalismus bedroht, aber auch gefährdet durch einen politischen Autoritarismus und sein Pendant, die Apathie der Bürger. In der postkommunistischen Welt können die gerade zur Demokratie Bekehrten an ihr schon wieder zu zweifeln beginnen, weil der Wohlstand, den man mit einer demokratischen Verfassung verschwistert glaubt, sich nicht einstellen will. In den Ländern der "Dritten Welt" schließlich können gerade die Modernisierungsprozesse mit ihren großen Verheißungen und kleinen Fortschritten gefährliche Gegenbewegungen bis hin zum religiösen Fundamentalismus und zum Terrorismus auslösen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.07.2003

Ralf Dahrendorfs Analyse der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bietet nach Ansicht von Rezensent Dieter Rulff "bewährte Antworten" und offenbart ganz nebenbei, wie weit die FDP mittlerweile von ihrer einstigen Bestform entfernt ist. Wie Rulff ausführt, erschöpft sich für Dahrendorf der Fortschritt nicht in der Entfaltung des Marktes, sondern bemisst sich nach der Ausweitung menschlicher Freiheit. Während Rulff dem "anspruchsvollen Freiheitsbegriff" Dahrendorfs Beifall spendet, scheinen ihm dessen Überlegungen zum Gerechtigkeitsprinzip "relativ dürftig". Orientierungspunkte für die aktuellen sozialpolitischen Kontroversen liefere Dahrendorf kaum. Allerdings merkt Rulff an, dass sich die Bürgergesellschaft, die Dahrendorf vorschwebt, ohnehin unabhängig von staatlicher Beeinflussung und Förderung entfalte. Gegen die Vorstellung einer globale Demokratie plädiert Dahrendorf ferner für den Ausbau des Rechts, das Festhalten am Nationalstaat als dem Rückgrat der Verfassung, die Freiheit und die Bürgergesellschaft, in denen er Bollwerke gegen den "Autoritarismus" erkennt, berichtet Rulff. Zwar ist Dahrendorfs Therapie "nicht frei von Gesundbeterei", resümiert der Rezensent, doch tue das der Klarheit seiner Analyse keinen Abbruch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2003

Amerikanischer Unilateralismus, die Rolle internationaler Organisationen beim Konfliktmanagement in Zeiten des Terrors und Kriege im Namen der Freiheit sind kontrovers diskutierte Themen, welche von Dahrendorf in seinem neuen Werk umrissen werden. Tobias Dürr sieht darin einen Geniestreich und feiert Dahrendorf, wenn er etwa behauptet: "Wenige Denker nur können die Frage nach den Vorraussetzungen und Problemen einer Politik der Freiheit unter den Bedingungen globaler Krisen und Umbrüche mit so viel intellektueller Autorität aufwerfen, wie der große liberale Soziologe und Freiheitspolitiker Ralf Dahrendorf." Wer seinen Argumentationen folge, der begreife, weshalb die Ordnungsmuster und Organisationen des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr funktionieren, meint Dürr. Seine Thesen habe der Autor so knapp und präzise formuliert, "wie es derzeit wohl keinem zweiten Autor deutscher Sprache gelingt." Obwohl nach Dahrendorf "Zeiten des Wandels immer auch Zeiten der Auflösung" sind, bleibe er der optimistischen Tradition seines sozialen Liberalismus treu: "Der Kompass, der den Weg durch diese noch unkartierte Landschaft weisen soll, ist auf Freiheit gestellt."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2003

Der Band versammelt sechs Vorlesungen, die der Soziologe Ralf Dahrendorf zwischen 2001 und 2002 am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen zur "Politik der Freiheit im 21. Jahrhundert" hielt. Und wie Dahrendorfs gesamtes Denken, schreibt Rezensent Martin Meyer, kreisen auch die Vorlesungen um die Pole Freiheit und Ordnung. Dahrendorf argumentiert dabei, wie Meyer zusammenfasst, für eine Verfassung der Freiheit, für ein System von Rechten und Normen, das die Freiheit vor ihren Gegenkräften ebenso schützen soll wie vor den Gefahren eines überzogenen Freiheitsbegriffs: Denn Freiheit, die sich absolut setzt, münde zwangsläufig in Anomie, lautet Dahrendorfs Grundthese. Wer nun aber von Dahrendorf "rasche Antworten" erwarte, den warnt der Rezensent vor einer Enttäuschung: Theorien und Maximen seien Dahrendorfs Sache nicht. Die Stärke seiner Gedanken und dieses Buches, meint Meyer, liege vielmehr in der Analyse und "deskriptiven Insistenz".