Knud von Harbou

Als Deutschland seine Seele retten wollte

Die Süddeutsche Zeitung in den Gründerjahren nach 1945

Klappentext

Im Oktober 1945 wurde die "Süddeutsche Zeitung" gegründet. Die Ausgaben der frühen Jahre sind der Öffentlichkeit kaum mehr zugänglich. Sie erweisen sich als Fundgrube, denn sie spiegeln die Nachkriegszeit mit all ihren Facetten wider: von den Kriegsverbrecherprozessen über die Entnazifizierung und die Entstehung der zwei neuen deutschen Staaten bis hin zu den Nöten des Alltags, die sich sehr eindringlich aus den Inhalten der Inserate ablesen lassen. Aufschlussreich ist auch, was ausgeblendet und worüber wie berichtet wurde.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.12.2015

Klaus Hillenbrand liest lebendig gewordene Zeitgeschichte in Knud von Harbous Darstellung der Geschichte der Süddeutschen Zeitung in ihren Gründungsjahren. Hillenbrand lobt die Akribie der Recherche, die Personal und Texte zutage fördert und laut Rezensent die Frage nach Kontinuitäten zwischen dem Nationalsozialismus und der Bonner Republik aufwirft. Dass der Band diese Frage im Einzelnen nicht beantwortet, erscheint Hillebrand schließlich gar nicht so wichtig. Hinweise darauf entdeckt er im Buch genug. Wichtiger findet er, dass der Autor den aktuellen Stand der Politik- und Geschichtsforschung auf seine Recherchen anzuwenden weiß, "typische" Nachkriegskarrieren nachvollziehbar macht und die Süddeutsche in ihrer Anfangszeit als durchaus angepasstes (und nicht rechtes, wie Hillenbrand meint) Blatt ausweist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.09.2015

Für den Rezensenten Wilhelm von Sternburg ist Knud von Harbous Bericht über die Frühzeit der Süddeutschen Zeitung spannendes Geschichtsbuch und Mosaikstein in der schmerzlich vermissten Aufarbeitung der Geschichte deutscher Nachkriegsmedien. Dass sich die SZ mit einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus schwertat, um nicht zu sagen diesen heftig verdrängte, vermittelt der Autor dem Rezensenten anhand von historischen Erinnerungen, etwa an den politischen SZ-Leitartikler und ehemaligen NS-Schergen Herrmann Proebst oder an die in Texten zutage tretende rechte Gesinnung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2015

Karl-Otto Saur zeigt sich überrascht von dem Bild der Gründungsjahre der SZ, das der Journalist und Historiker Knud von Harbou in seinem Buch zeichnet. Die Geschichte der Zeitung erscheint laut Saur in einem neuen Licht, da Harbou zeigen kann, wie sehr nationalsozialistische Funktionäre, allen voran Franz Josef Schöningh, die Zeitung mitprägten, während sie ihre Rolle im Dritten Reich zu verharmlosen versuchten. Das Buch befasst sich laut Saur genauer und differenzierter als vergleichbare Texte mit der Gründungsgeschichte der SZ. Dazu gehört auch, dass der Autor die ersten zehn Jahrgänge der Zeitung nachgelesen hat, um die Theorie durch die Praxis zu überprüfen. Das Ergebnis findet Saur erschreckend. Es zeigt ihm, wie gering das Interesse der Zeitung an einer konsequenten Vergangenheitsbewältigung war, etwa am Beispiel der Reporterlegende Hans Ulrich Kempski.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2015

Knud von Harbou, einst stellvertretender Feuilletonchef der Süddeutschen Zeitung, schreibe "mit aufklärerischer Wucht und verhaltener Wut" über die Verstrickungen seines langjährigen Arbeitgebers in die Verbrechen des Naziregimes, findet Joachim Käppner, der in der SZ diesen Band bespricht. Der Kritiker bemüht einige der von Harbou zusammengetragenen Anekdoten aus der Nachkriegszeit, um dem Leser die lange versäumte Auseinandersetzung mancher SZ-Redakteure und Chefs mit der eigenen Schuld vor Augen zu führen. Erstaunt zeigt sich Käppner, wie wenig die Zeitung selbst über die Nazivergangenheit der eigenen Führungskräfte wusste, und lobt, dass Harbou hingegen Schönfärberei fremd sei und sein neuestes Werk ein "wichtiges, ein notwendiges und auch gut lesbar geschriebenes Buch, immer um Fairness bemüht".
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