Henning Marmulla

Enzensbergers Kursbuch

Eine Zeitschrift um 68
Cover: Enzensbergers Kursbuch
Matthes und Seitz, Berlin 2011
ISBN 9783882216240
Gebunden, 383 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

"Enzensbergers Kursbuch" unterzieht die Gemeinplätze über diese turbulente Zeit einer Prüfung und erzählt die spannende Geschichte einer Zeitschrift, die ihren Beginn in einer Zeit nahm, als man Geschichte noch für machbar hielt und die maßgeblich dazu beitrug, dass Menschen für ihre Geschichte kämpften. Henning Marmulla zeichnet anhand zahlreicher unveröffentlichter Quellen den Weg zur Gründung der Zeitschrift im Jahre 1965 nach, analysiert ihre Bedeutung für die internationalen 68er Bewegungen und erklärt auch, warum es wirklich zur Trennung von Enzensbergers Zeitschrift und Siegfried Unselds Suhrkamp Verlag im Jahre 1970 kam und erzählt von der Politisierung der Literatur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.02.2012

Volker Breidecker ist nicht wirklich zufrieden mit Henning Marmullas Werk über das von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel von 1965 und 2008 herausgegebene “Kursbuch", verbucht es am Ende aber doch als Lektüregewinn. Dass der Autor in seiner Doktorarbeit das “Kursbuch" hartnäckig als Hausmedium der 68er-Bewegung präsentiert, überzeugt den Rezensenten nicht wirklich und zudem hat er seine liebe Mühe mit dem allzu akademischen Duktus der Arbeit. Immerhin zeigt er Anerkennung hinsichtlich der Verarbeitung der enormen Materialfülle, die der Autor hier bewältigt. Breidecker ist zwar bereit, über die anstrengende Bourdieu-Terminologie hinwegzusehen, deren sich der Autor befleißigt. Den völligen Mangel an Humor allerdings findet er “unverzeihlich", zumal ja gerade die ausgeprägte Spielfreude für ihn das “Kursbuch" ausmacht. Immerhin, irgendwann erkennt dies auch Marmulla, stellt der Rezensent erleichtert fest.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011

Höchst angeregt und bis in Details der Zeitumstände gehend bespricht Karl-Heinz Bohrer, der scheidende Merkur-Herausgeber, diesen Band über die einst einflussreichste Zeitschrift Deutschlands, das Kursbuch. Gleich zu Beginn lobt er den jungen Germanisten Marmulla, dessen Studie am politikgeschichtlichen Seminar der Uni Bielefeld entstand, für seine Konzentration auf die heroische Zeit des Kursbuchs und auf die intellektuelle Biografie Hans Magnus Enzensbergers, der Bohrer merklich bis heute fasziniert. Enzensbergers Briefwechsel mit Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld sei jedenfalls bis heute spannender zu lesen als alles Geschwätz der damaligen "Reaktion". Dabei spielen für Bohrer die Brüche die größte Rolle: von der Ironie der frühen Jahre, zum revolutionären Furor der 68er-Zeit bis hin zur "Selbstaufklärung". Dass Marmulla auf das soziologische Besteck Pierre Bourdieus zurückgreift, ist für den Rezensenten, der etwas gegen akademische Schuhschachteln hat, allenfalls ein paar Nebenbemerkungen wert: Eher interessiert ihn schon "das erhabene Verhältnis von Theorie und Praxis", das etwa in der Auseinandersetzung mit dem Verleger zum Ausdruck kommt. Ein lustiger Druckfehler fällt übrigens in seiner Kritik auf: Oder meint Bohrer es so, wenn er von "modernder Kunst" spricht?
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