Jörg Magenau

Die taz

Eine Zeitung als Lebensform
Cover: Die taz
Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN 9783446209428
Gebunden, 280 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Vor bald dreißig Jahren fanden sich Friedensbewegte, Umweltaktivisten und andere Kämpfer zusammen, um die antibürgerliche taz zu gründen, heute eine sehr beachtete Tageszeitung. Viele ihrer Mitarbeiter, Iris Radisch oder Michael Sontheimer etwa, wechselten zu etablierten Blättern und schrieben dort in einem neuen Stil über Themen, die bis dahin in der öffentlichen Debatte nicht vorkamen. Mit dem Aufstieg der Grünen und dem Ende der linken Utopien fand die taz ein neues Selbstverständnis, das die Anliegen linker und grüner Politik mit einem Lebensstil versöhnte, den sie in ihren Anfangsjahren als bürgerlich verurteilt hätte. Jörg Magenau erzählt mit der Geschichte der taz die Geschichte eines Ideenlabors, das diese Gesellschaft gründlich verändert hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Nils Minkmar schlägt die Hände über den Kopf zusammen: Wie kann man ein Thema nur so verschenken! Liebend gern hätte er eine Geschichte der taz gelesen, die ihm endlich solch unerklärliche Persönlichkeiten wie die Reporterin Gabriele Goettle, den Geschäftsführer Kalle Ruch oder den alkoholisiert-philosophischen Skandal-Autor Thomas Kapielski. Gern hätte er zum Beispiel auch die Gender-Debatte durch einen Hinweis auf die "Leidensgeschichte der Frauen in schlechtbezahlten Frauen in schlechtbezahlten linken Minijobs" ergänzt gesehen. Aber , ach, nichts davon hat Minmakr in Jörg Magenaus "taz"-Buch gefunden, das er böse als "Narcotikum" bezeichnet, von solch "geistesbetäubender Eintönigkeit" sei es. Schmerzlich vermisst der Rezensent auch eine Perspektive oder angemessene Reflexionen. Völlig fehlgeleitet findet er etwa, anhand der Briefe an Salman Rushdie über das angeblich bürgerliche Wesen des Briefeschreibens zu räsonnieren, anstatt sich mit Mut und Feigeheit deutscher Medien auseinanderzusetzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.09.2007

Jörg Magenaus Darstellung der 30-jährigen Geschichte der taz findet Volker Breideckers Wohlwollen. Und einer Biografie würdig sei die taz allemal, die wahrscheinlich wie keine andere Zeitung ihre Leserschaft, mit der sie laut Breidecker die "Dorf- und Stammesstrukturen" teilte, derart häufig vor den Kopf gestoßen hat. Magenau, selbst für zwei Jahre Kulturredakteur bei der taz, kann also bei seiner Zeitungsbiografie nicht nur auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, sondern bedient sich auch der Kenntnisse einstiger Kollegen und natürlich der Ausgaben der taz selbst, stellt der Rezensent fest. Dabei schildere der Autor die Redaktion als "Wohngemeinschaft", in der gestritten, diskutiert und gelebt wird, so Breidecker, den dieses Bild der linksalternativen Tageszeitung überzeugt. Die Darstellung, die auf eine einfache Chronologie verzichtet und sich stattdessen an einzelnen Schlüsseldaten orientiert, liest sich zugleich unterhaltsam und aufschlussreich, lobt der Rezensent, den es nur stört, dass Magenau seine taz-Geschichte auf die These einer in dem Blatt sich manifestierenden "Neuen Bürgerlichkeit" im linksalternativen Gewand einschießt. Die dafür vom Autor vorgebrachten Argumente überzeugen den Rezensenten nicht, der ansonsten aber betont, wie "lesenswert" das Buch ist.
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