Klaus Große Kracht

Zwischen Berlin und Paris: Bernhard Groethuysen (1880-1946)

Eine intellektuelle Biografie. Diss.
Cover: Zwischen Berlin und Paris: Bernhard Groethuysen (1880-1946)
Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2002
ISBN 9783484350915
Broschiert, 336 Seiten, 72,00 EUR

Klappentext

Der Philosoph und Historiker Bernhard Groethuysen gehört zu den herausragenden Gestalten des deutsch-französischen Kulturtransfers der Zwischenkriegszeit. Zugleich gilt er aufgrund seiner historischen Schriften als einer der Wegbereiter der modernen Kultur- und Mentalitätsgeschichte. Erstmals liegt nun eine umfassende intellektuelle Biografie des Berliner Gelehrten und Pariser homme de lettres vor, die Groethuysens Leben und Werk miteinander in Verbindung setzt und im Kontext der europäischen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts verortet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2003

Joseph Hanimann lobt diese Biografie als das "fortan maßgebende Porträt" Groethuysens, das "alles Wissenswerte" über diesen, wie Hanimann formuliert, "philosophischen Flaneur" und intellektuellen Grenzgänger zwischen Frankreich und Deutschland "zusammenfügt". Bis in "die entlegensten Archive" habe der Biograf seiner Figur nachgespürt, und lasse nun hinter dem "Gerücht Bernhard Groethuysen", dem "genie oral (Andre Malraux) endlich auch "ein Gesicht hervorschauen". Daneben erfahren wir dann von Hanimann aber vor allem, dass Krachts Buch die Verlagerungen der intellektuellen Interessen Groethuysens - von der Psychologie über Dilthey, Simmel und Bergson zur modernen Mentalitätsgeschichte -- "mehr ideengeschichtlich als lebensanekdotisch" nachzeichnet; sowie dass Adorno an einer Studie Groethuysens, wie viele zeitgenössische Kritiker, die "Diskrepanz zwischen enormer Materialfülle und schwacher theoretischer Durchdringung" bemängelt hatte - und dass diese Eigenschaft von Groethuysens Werk "erst in neuerer Zeit auch als Qualität erkannt wurde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2002

Ulrich Kronauer lobt und begrüßt diese Biografie, die Leben und Werk des Philosophen und Historikers Bernhard Groethuysen beleuchtet. Dabei beschreibe der Autor nicht nur die "intellektuelle Existenz" Groethuysen, sondern auch sein "Leben als Intellektueller" in der Zeit von 1880 bis 1946, seinem Todesjahr. Der Philosoph war aus Ablehnung des Nationalsozialismus nach Paris übergesiedelt, teilt Kronauer mit. Der Rezensent zeigt sich beeindruckt von der "kenntnisreichen Studie", die diesen zumindest in Deutschland fast vergessenen Schriftsteller wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Kronauer betont, dass er sich erhofft, dass "weitere Impulse" von dem Buch ausgehen, um "den Dialog" mit dem Philosophen, der so lange unterbrochen war, "wieder aufzunehmen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.09.2002

In seiner außerordentlich kompakten, kenntnisreichen Rezension widmet sich Martial Staub besonders den anthropologischen Aspekten Groethuysens, deren politische Brisanz seiner Meinung nach Große Kracht etwas zu kurz hat kommen lassen. Dennoch aber gesteht Staub dem Autor respektvoll und mit vielen langen Sätzen zu, durch den Blick auf die Jahre zwischen 1904 und 1932 insgesamt eine Präzisierung des Bildes von Groethuysen erreicht zu haben. Insbesondere Groethuysens Entfremdung von Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg und die darauffolgende Beschäftigung mit der Tradition des "französischen Skeptizismus" ist durch seinen in diesem Buch erstmals ausführlich gewürdigten Briefwechsel verdeutlicht worden, so Staub. Die "Stärke" des Buches sieht er dort, wo es die "genaue Verortung" des Bildes vom "autonomen Menschen" nach Groethuysen leistet, und zudem ein "alternatives Paradigma zur gängigen Exilforschung entwirft.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.09.2002

Nur noch "Spezialisten" ist der 1880 in Berlin geborene und 1946 in Luxenburg verstorbene Psychologe, Philosoph, Historiker und Literaturwissenschaftler Bernhard Groethuysen ein Begriff, weiß Thomas Meyer, dabei habe der vielseitig Aktive ein reichhaltiges und hochgeistiges Werk hinterlassen, berichtet der Rezensent. Das wolle Klaus Große Kracht nun mit seiner "intellektuellen Biografie" einem breiteren Leserkreis zugänglich machen, und es ist ihm, lautet das Lob des Rezensenten, auch gelungen. Das Buch findet er nämlich "wichtig", "sehr gut recherchiert" und auch noch "angenehm zu lesen". Und, denkt Meyer, Kracht habe auch noch die "kluge Konsequenz" gezogen, das vielseitige Werk Groethuysens auf keinen Fall "in eine Ordnung" zu bringen, sondern lasse den Leser selbst Lebensstation für Lebensstation abschreiten und das Werk des Denkers Stück für Stück kennen lernen.