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Klappentext

Im Februar 2006 stirbt Jerzy Hronowski, genannt Jurek, unter mysteriösen Umständen in seiner Wohnung in Warschau. Erst auf seiner Beerdigung wird Katarina Bader klar, wie einsam ihr Freund Jurek in den letzten Jahren war. Als 18-Jährige hatte sie den damals fast 80-Jährigen in der Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz kennengelernt. Aus der organisierten Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft, die ihr Leben veränderte: Jurek half ihr Polnisch zu lernen und beriet sie, egal ob es um Liebeskummer ging oder darum, wo man die besten Kartoffelpuffer Warschaus essen kann. Und er erzählte ihr immer wieder über seine vier Jahre im KZ Auschwitz. In den traurigen Geschichten, die Jurek über das Lager erzählte, war immer ein Funken Hoffnung. Als Katarina Bader Jurek besser kennenlernte, merkte sie aber, dass er Erinnerungen jenseits dieser Geschichten hatte. Quälende Erinnerungen. Nach Jureks Tod bleiben Fragen: Warum war er so einsam? Wieso hat er sich von fast allen Menschen, die ihm eine Zeit lang nahe standen, im Streit getrennt? Weshalb war das Erzählen für Jurek so wichtig?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.08.2010

Von Katarina Baders Lebensbericht des polnischen Auschwitz-Überlebende Jurek Hronowski ist Claus Leggewie sehr beeindruckt, der sich gleich mehreren Büchern widmet, die der in seinen Augen etwas erstarrten Erinnerungskultur neues Leben einhauchen. Die Autorin hat ihren Protagonisten in der Jugendbegegnungsstätte von Auschwitz kennengelernt, ihn immer wieder auch in ihre Schule eingeladen und erst nach seinem Tod von seinem Leben erfahren: Nämlich dass er nie seiner Familie, weder seiner Frau noch seinen Kindern, erzählt hat, was ihm in Auschwitz widerfahren war und dass er zwar in didaktischen Einheiten die Ereignisse fassen konnte, nicht aber in seinem Leben damit klar kam. Es stellte sich heraus, dass der Charmeur auch ein unangenehmer Mensch war, dass er für die polnischen Geheimdienst gearbeitet hat. Was Leggewie gelernt hat in diesem Buch? Den Unterschied zwischen der Kategorie Opfer und einem Menschen, der viel erlitten hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.07.2010

Als "ungewöhnliches Stück Geschichtsschreibung" hat Elisabeth von Thadden diese Arbeit der 28-jährigen Osteuropa-Historikerin begeistert. Denn Katarina Bader versteht es aus ihrer Sicht, die individuell gefühlte Geschichte eines Einzelnen, samt deren Veränderung im Laufe des Lebens mit den wissenschaftlichen Deutungsmustern der kulturellen Erinnerung zusammenzuführen. Gerade aus der Dissonanz zwischen Gefühl und Wissen, historischen Fakten und den Veränderungen, die das Gedächtnis dessen, der sie erlitt, im Laufe seines Lebens daran vornimmt, gewinne Katarina Bader ihr Interesse. Zentrum der Auseinandersetzung sei ein alter Mann namens Jerzy "Jurek" Hronowski, der als Achtzehnjähriger nach Auschwitz gekommen sei. Die Autorin habe ihn als Achtzehnjährige bei einer Auschwitzfahrt kennen gelernt, wo er die Besucher der Gedenkstätte betreut habe. Anhand seiner Erzählungen entstehe ein Mosaik aus Bildern und Gegenbildern, werde die Arbeitsweise des menschlichen Gedächtnisses ebenso verhandelt wie öffentliche Geschichtspolitik. Auch die Art und Weise, wie die Autorin beim Versuch, die Biografie ihres Protagonisten zu rekonstruieren, ihre eigene Biografie entstehen lasse, hat die Rezensentin sehr beeindruckt.