Wie konnte es dazu kommen? Wie haben die Juden die Ereignisse vor und nach der sogenannten Machtübernahme durch Hitler und die Nationalsozialisten wahrgenommen? Wie haben sie auf die systematische Ausgrenzung reagiert? Wurde der organisierte Massenmord, wie von manchen vermutet, bereits in den Anfängen des Hitler-Regimes vorgedacht?
Mit diesen und anderen Fragen zur Lage der deutschen Juden in den Anfangsjahren des NS-Regimes beschäftigt sich der Potsdamer Historiker Julius H. Schoeps in "Düstere Vorahnungen". Er bezieht sich dabei, neben der einschlägigen Forschung, vor allem auf Lebenszeugnisse, also Erinnerungen, Tagebücher, Briefwechsel und andere Ego-Dokumente, die die Reaktionen der Juden u.a. auf den NS-Terror im Alltag, auf die Verdrängung aus dem Kultur-, Wirtschafts- und Berufsleben, auf den Raub und die Arisierung von Eigentum behandeln.
Klaus Hillenbrand hält die Arbeit des Historikers Julius H. Schoeps für bedeutsam, weil sie an den Beginn des Antisemitismus als staatliche Doktrin in Deutschland erinnert. Die ersten drei Jahre der NS-Herrschaft, die wachsende Entrechtung und gewaltsame Behandlung der jüdischen Bevölkerung beschreibt der Autor laut Hillenbrand detailliert, mit Beispielen und Blick auf die Reaktionen der deutschen Juden. Dass deren Befürchtungen nicht so groß waren und der fatale Glaube an eine jüdische Zukunft Deutschland weit verbreitet, erfährt der Rezensent u. a. anhand des Beispiels von Schoeps' Vater, einem deutsch-nationalen Antizionisten.
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