Hinter der Tarnbezeichnung "Aktion 1005" verbirgt sich einer der ungeheuerlichsten und geheimsten Vorgänge des "Dritten Reichs": Im Jahr 1942 gab die oberste Führung an das "Reichssicherheitshauptamt" die Order aus, sämtliche Massengräber im deutsch besetzten Europa unkenntlich zu machen. Der Auftrag lautete, die Mordstätten zu finden, die Leichen auszugraben, zu verbrennen und das Gelände zu tarnen. Die eigentliche Arbeit wurde Juden aus den Ghettos, Kriegsgefangenen und Gefängnisinsassen aufgezwungen. Ebenso wurde versucht, alle verfänglichen Schriftunterlagen und sonstigen Informationen zu vernichten, die den Völkermord an den europäischen Juden, die Ermordung der sowjetischen Kriegsgefangenen, die Vernichtung der Roma und die Hinrichtungen polnischer Nationalisten dokumentiert hätten.
Als Ergebnis jahrelanger Forschung ist es Andrej Angrick gelungen, den Umfang der Vertuschungsaktionen soweit möglich zu rekonstruieren sowie Täter und beteiligte Einheiten zu benennen.
Klaus Hillenbrand liest die Studie von Andrej Angrick über die "Aktion 1005" der Nazis mit Schrecken. Die Systematik der Aktion unter SS-Mann Blobel findet er dabei besonders grauenhaft. Dass bisher so wenig darüber bekannt war, schockiert ihn. Angricks Verdienst erkennt er darin, das Thema der Leichenexhumierungen und -verbrennungen durch gefangene Rotarmisten und jüdische Zivilisten unter SS-Befehl genau untersucht und dargelegt zu haben. Für Hillenbrand Grundlagenforschung über den NS-Staat at its best, die nicht mit grauenhaften Details spart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2019
René Schlott hat kaum genug Lobesworte für die Arbeit des Historikers Andrej Angrick. Wie der Autor in nie gelesener Akribie und Umfänglichkeit und dazu mit sachlicher Sprache die von Himmler geleitete Aktion 1005 nachzeichnet nachzeichnet, findet Schlott gleichermaßen erschütternd wie beeindruckend. Mit dieser Aktion sollten SS und Wehrmacht alle Massengräber in den besetzten Gebieten Europas beseitigen. Den wissenschaftlichen und logistischen Aufwand der Arbeit kann Schlott nur ehrfuchtsvoll erahnen, wenn der Autor mittels unerschöpflicher Datenfülle und stilistischer Mittel das Bild einer apokalyptischen Todeszone im Osten Europas heraufbeschwört. Eine wissenschaftliche und verlegerische Großtat, findet er.
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