Die schwierige Geschichte der Kindertransporte 1938/39 nach Großbritannien
Hentrich und Hentrich Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783955657604 Broschiert, 184 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
1938 und 1939 flohen über 10.000 Kinder und Jugendliche nach Großbritannien, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Diese als "Kindertransport" bekannte Aktion wurde lange Zeit als humanitäre Rettung gefeiert - doch hinter den vielen Geschichten der Geretteten verbergen sich unangenehme Wahrheiten. Die britische Regierung befreite die jungen - zumeist jüdischen - Kindertransportflüchtlinge von der Visumpflicht, aber die Organisation und Finanzierung des Programms musste von Freiwilligen übernommen werden. Die britische Regierung verlangte eine Garantie zur Absicherung gegen etwaige Kosten und weigerte sich, die Eltern der Flüchtlingskinder aufzunehmen. Bei den Auswahlkriterien wurden diejenigen bevorzugt, die voraussichtlich den größten Beitrag zur britischen Gesellschaft leisten würden und nicht die dringendsten Fälle. Einige Kinder und Jugendliche wurden in ungeeigneten Pflegestellen untergebracht, wo viele weitere Traumata erfuhren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2026
Interessiert liest Rezensentin Christine Brinck Andrea Hammels Buch über die Kindertransporte, im Zuge derer 1938/39 zehntausend jüdische Kinder von Deutschland nach Großbritannien verschifft wurden - und dadurch sehr wahrscheinlich ihrer Ermordung entgingen. Die Kindertransporte, die durch eine Gesetzesänderung in Großbritannien ermöglicht wurden, werden im Allgemeinen als ein Akt der Menschlichkeit dargestellt. Hammel widerspricht dem nicht rundheraus, zeichnet jedoch ein etwas ambivalenteres Bild. So weist sie darauf hin, dass verhaltensauffällige Kinder von vornherein nicht für die Transporte in Betracht gezogen wurden und dass die Pflegefamilien nicht gründlich genug geprüft wurden, was nicht selten Kinderleid zur Folge hatte. Brinck versteht diese Einwände schon und liest gebannt über die Schicksale einzelner Kinder, weist aber darauf hin, dass sie aus einer unserer Gegenwart verhafteten Perspektive vorgebracht werden. Insgesamt würde Brinck doch eher den Druck betonen, unter dem alle Beteiligten damals standen und angesichts dessen sie Großes leisteten.
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