Karikaturen sind Bilderrätsel, die "geknackt" werden wollen: Siehe die Karikatur auf der Titelseite. Karikaturen sind satirische Kommentare in Bildform, die ganz bewusst einen subjektiven, verzerrten Blick auf politische Ereignisse, Zusammenhänge und darin handelnde Personen werfen. Gerade in ihrer Zuspitzung und Verzerrung können sie etwas aufdecken, was "interessierte Kreise" gerne unter der Decke halten würden. Manchmal werfen Karikaturen einen geradezu prophetischen Blick in die Zukunft, manchmal liegen Karikaturen mit ihrer politischen Aussage gewaltig daneben.
Karikaturen lösen bei uns Schmunzeln, Lachen, aber auch Nachdenklichkeit oder Ärger aus. Ihre Entschlüsselung ist eine lustvolle Tätigkeit.
Der Autor stellt an Hand von Beispielen Wesensmerkmale von Karikaturen, häufig eingesetzte Stilmittel und unterschiedliche Karikaturtypen vor. Er zeigt uns an über 30 ausgewählten Karikaturbeispielen aus der Zeit zwischen 1878 und 2015, wie man Karikaturen entschlüsseln, in den jeweiligen politischen Kontext einordnen und aus heutiger Sicht bewerten kann. Zugleich ermöglichen diese Karikaturen eine reizvolle Zeitreise zu Brennpunkten der deutschen und europäischen Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2016
Rezensent Martin Lhotzky hat gleich zwei lehrreiche, aber doch recht trocken geratene Bücher über deutsche Karikaturen gelesen. Während sich Ulrike Martens in ihrer Studie auf Karikaturisten in Ost- und Westdeutschland fokussiert, untersucht Jürgen Scheuerer die Karikatur in den letzten 140 Jahren, informiert der Kritiker. In dieser "lehrbuchartigen" Einführung betrachtet Lhotzky klug gewählte "zeittypische" Karikaturen aus deutschen, französischen, britischen, amerikanischen und sowjetischen Zeitungen und Magazinen, beispielsweise John Tenniels "Der Lotse geht von Bord" aus dem Jahre 1890. Leider mangelt es dem Rezensenten hier aber an Hintergrundinformationen.
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