Jonathan Carr

Der Wagner-Clan

Geschichte einer deutschen Familie
Cover: Der Wagner-Clan
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008
ISBN 9783455500790
Gebunden, 487 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Die erste umfassende Geschichte der Wagners, Deutschlands berühmt-berüchtigtster Familie. Seit über einem Jahrhundert und von zwei Weltkriegen, der Nazidiktatur und der Besatzungszeit ungebrochen herrschen die Wagners über die Bayreuther Festspiele, hatten viele der größten und der gespenstischsten Gestalten aus Kunst und Politik zu Gast und bekämpfen einander wie die Recken in den Musikdramen, die sie in Szene setzen. Eine Biografie der Familie Wagner, beginnend mit Richard Wagners Geburt 1813, endend mit der bevorstehenden Entscheidung über Wolfgang Wagners Nachfolge in Bayreuth, gab es noch nicht. An keiner deutschen Familie kann man so kontinuierlich und so spektakulär die Zeitgeschichte ablesen. Aber nicht nur das, einiges erscheint in neuem Licht. So wurde die Bedeutung von Houston Stewart Chamberlain bisher weitestgehend übersehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2008

Mit Lob bedenkt Thomas Baltensweiler diese Familiengeschichte der Wagners, die der britische Journalist Jonathan Carr vorgelegt hat. Trotz der Fülle von Publikationen zu diesem Thema hat das umfangreiche Werk für ihn seine Berechtigung. So attestiert er dem Autor zum einen, Familienbiografie in ihrem Bezug auf die Geschichte begreifbar zu machen, zum anderen, familiengeschichtliche Leitmotive herauszuarbeiten, die in Einzelstudien nicht zu finden sind. Ausführlich geht Baltensweiler auf zwei dieser Motive ein, den Kampf um Macht und Geld sowie den Personenkult der Wagners. Außerdem hebt er hervor, dass Carr weder apologetisch noch - bis auf wenige Ausnahmen - moralsierend wird. Positiv äußert er sich auch über die anschauliche und gut lesbare, wenn auch gelegentlich etwas zu pointierte Darstellung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.08.2008

Voll des Lobes über dieses Wagner-Buch freut sich Hans-Jürgen Linke in seiner Besprechung vor allem über die distanzierte, klare Perspektive, mit deren Hilfe es Jonathan Carr gelingt, den Aufstieg des Wagner-Clans zwar nicht unbedingt mit neuem Material, aber doch in neuen gedanklichen Konstellation zu betrachten. Für Linke entsteht so ein unterhaltsames, gleichwohl historisch fundiertes Familiendiagramm, das das Phänomen Wagner nicht chronologisch, sondern symptomatisch zu begreifen versucht und dabei sogar manchen Fehler der Wagner-Literatur zu korrigieren vermag. Dass Carr mehr auf politische und historische Umstände setzt als auf musikologische Überlegungen, merkt Linke schnell, und auch, wie wichtig es dem Autor war, die Musik gegen die hier so bemerkenswert vorurteilsfrei mitgeteilten historischen Umstände in Schutz zu nehmen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.07.2008

In der Familie Wagner verdichten sich 150 Jahre deutsche Geschichte, weshalb auch das Interesse an Richard Wagner, seinen Nachkommen und seinem Werk bis heute ungebrochen ist, meint Stephan Speicher. Der erst kürzlich, 66-jährig verstorbene Jonathan Carr, Deutschland-Korrespondent für die Financial Times, Biograf von Helmut Schmidt und Gustav Mahler, hat nun eine Familiengeschichte der Wagners vorgelegt, die, obwohl sie kaum mit neuen Informationen glänzen könne, dem Rezensenten großes Lob abringt. Hochachtung hat Speicher schon allein vor der Bewältigung der enormen Stoffmenge, die der britische Autor zu berücksichtigen hatte, aber auch sonst findet der Rezensent alles, was er an der angelsächsischen Biografik schätzt: einen flüssigen Stil, Präzision und vor allem Unvoreingenommenheit des Biografen den Protagonisten  gegenüber. Etwas befremdlich allerdings mutet es den Rezensenten schon an, dass Carr den Sohn Richard Wagners, Siegfried, derart freundlich darstellt und nicht nur sein gemeinhin eher als zweitrangig beurteiltes kompositorisches Werk würdigt, sondern ihn auch nicht in der Anbiederung Bayreuths an den Nationalsozialismus verstrickt sieht. Auch den belegten Antisemitismus Richard Wagners relativiert Carr, kann das allerdings ganz gut begründen, wie Speicher findet. Dies alles tut der "Freude" des Rezensenten an dieser Biografie keinen Abbruch, und er preist das Buch als "ungewöhnlich interessantes" Werk.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.06.2008

Selten haben sich die beinahe zwei Jahrhunderte dieser schillernden Dynastie so pointiert, detailliert und weitgehend vorurteilsfrei gelesen, feiert Rezensent Wolfram Goertz die Familienbiografie, die der britische Jornalist Jonathan Carr über den Wagner Clan geschrieben hat. Der Titel assoziiere amerikanische Seifenopern ebenso wie antike Tragödien und das Buch habe Züge von beidem. Vor allem aber besticht es den Rezensenten durch das "dichte Netz überzeitlicher Parallelen", in das Carr seine Recherchen verwebt, was Goertz zu den journalistischen Glanzleistungen dieses Autors zählt. Auch die Trockenheit, mit der Carr aus Sicht des Rezensenten einigen angeheirateten Monstren des Clans, wie dem britischen Parade-Antisemiten Houston Chamberlain beikommt, beeindruckt den Rezensenten sehr. Ebenso die Souveränität, mit der Carr allzu simple Parallelen zwischen Richard Wagners ideologischem Kosmos und dem Adolf Hitlers von sich weist. Zu all dem Überfluss, den dieses Buch Wagnerfans und auch solchen, die es "partout nicht werden" wollten, aus Rezensentensicht zu bieten hat, kommt noch hinzu, dass es seine Leser virtuos zu unterhalten verstehe, wobei auf der "Flamme der Spottlust" manche Figur wohl eine Spur zu knusprig geriet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2008

Mit großem Vergnügen hat Rezensentin Eleonore Büning diese Biografie der Familie Wagner von Jonathan Carr gelesen. Sie weist darauf hin, dass wohl keine andere deutsche Familie, nicht einmal die der Manns, derart gründlich durchleuchtet und erforscht wurde wie die Wagners. Gleichwohl hat sie vorliegendes Buch rundum überzeugt. Sie schätzt die profunde Sachkenntnis des Autors, eines langjährigen Bayreuth-Pilgers, und seine pointierte und oft ironische Darstellung. Dabei scheint ihr Carr nicht immer objektiv. So halte er Richard Wagner charakterlich für ein "Monstrum" oder sympathisiere mit den Zu-kurz-Gekommenen und den Rebellen der Familie. Büning hebt Carrs Interesse an den politischen Kontexten hervor, daran auch, wie die Geschichte Wagners die Zeiten widerspiegelt. In diesem Zusammenhang lobt sie das Kapitel über den Antisemitismus in der Familie. Ebenfalls lobend äußert sie sich über die ausgezeichnete Übersetzung des Buchs, die "viel angelsächsischen Witz ins Deutsche" hinüberzuretten wisse.