Franz Liszt (1811-1886) war eine absolute Ausnahmeerscheinung, ein musikalischer Revolutionär, eine europäische Berühmtheit, ein romantischer Exzentriker, kurzum: ein Superstar des 19. Jahrhunderts, der sein Publikum zur Raserei trieb. In seiner neuen großen Biographie breitet Oliver Hilmes das außergewöhnliche Leben und das faszinierende Werk dieses schillerndsten Künstlers seiner Zeit vor uns aus. Liszt war ein Mann, der sich in immer neuen Rollen selbst erfand: Als Wunderkind, Klaviervirtuose, Komponist, Freigeist, Frauenschwarm und katholischer Abbe mit zeitweiligem Wohnsitz im Vatikan. Er war ein begnadeter Schauspieler und legendärer Verführer, manchmal auch ein bombastischer Schaumschläger und charmanter Aufschneider. Alles dies findet man in seiner Musik, die oft lässig auftrumpfend und ebenso oft zärtlich-fragil ist.
Kann man die musikalische Bedeutung von Franz Liszt so einfach voraussetzen? Volker Hagedorn entdeckt in Oliver Hilmes' Biografie gerade mal fünf Seiten, die sich mit der Musik des Komponisten beschäftigen und entsprechend gespalten fällt sein Urteil aus. Zu Hagedorns Bedauern vergibt Hilmes die Chance, ein vielfältigeres Bild des Komponisten zu zeichnen, der in der Rezeption auf einige sinfonische Dichtungen reduziert werde; wie weit Liszt in die Zukunft geschrieben habe, zeige Hilmes leider nicht. Allerdings belässt er es in seiner Biografie auch nicht bei den Anekdoten über gebrochene Herzen und zertrümmerte Klaviere, auch wenn natürlich alle Affären des Salonlöwen Liszt ihren Platz finden. Nein, Hagedorn hat hier durchaus ein gründlich recherchiertes Porträt gelesen, das Liszt und seine beiden Ehefrauen als "Monstren der Selbstverwirklichung" zeichnet und dem Rezensenten damit ganz gut die Persönlichkeit der Liszt-Tochter und späteren Wagner-Ehefrau Cosima erklärt.
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