Sie galt als "das schwarze Schaf der Familie", doch unbeirrt ging Friedelind Wagner ihren eigenen Weg: Eva Rieger schreibt die erste Biografie der Enkelin Richard Wagners, die als Einzige des Bayreuther Clans den Nazis Widerstand leistete. Reichskanzler Adolf Hitler ist in Bayreuth alljährlich ein umjubelter Gast: Mit Winifred, der Herrin des Hügels, verbindet ihn eine enge Freundschaft. Für ihre Kinder spielt er den Ersatzvater. Nur eine schert aus dem braunen Pakt aus: Friedelind. Die aufmüpfige Tochter entschließt sich zum offenen Widerstand gegen ihre Familie und gegen das Nazi-Regime. Sie emigriert nach England und opfert so ihren Lebenstraum, an der begehrten Festspielleitung mitzuwirken. Doch nach dem Krieg scheint Friedelinds große Stunde zu schlagen: Wer, wenn nicht sie, könnte jetzt die Leitung der Bayreuther Festspiele übernehmen? Schließlich ist sie die Einzige der vier Geschwister, die von der Vergangenheit unbelastet ist. Aber die Familie steht der Emigrantin feindlich gegenüber und tut alles, um die "Verräterin" auszubooten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.08.2012
Zeitbeschreibung ist der Autorin Sache nicht, meint der Rezensent Stephan Speicher düster. Dafür wartet die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger in ihrer Biografie über Friedelind Wagner, die Enkelin Richards, mit anderen interessanten Dingen auf. Etwa über die Hitler-Resistenz Friedelinds. Oder über ihre Erfolglosigkeit in familiären und geschäftlichen Dingen. Den feministischen Einschlag des Buches, die Sympathien der Autorin für die dominante, sendungsbewusste, doch eher gemiedene Frau Wagner, bleiben Stephan Speicher nicht verborgen. Doch ein Wust von Kleinigkeiten, schreibt er, begräbt des öfteren, was für ihn von Interesse hätte sein können. Was genau das wäre, erfahren wir leider nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2012
Freundlich hat Rezensentin Christiane Tewinkel diese Biografie über Friedelind Wagner (1918-1991) von Eva Rieger aufgenommen. Das auf einer Fülle von Quellen basierende Werk der Musikwissenschaftlerin schätzt sie als ausgewogen und sachlich. Die Rolle Friedelinds als schwarzes Schaf des Wagner-Clans wird in ihren Augen eingehend dargestellt, ebenso die frühe Emigration aus Nazideutschland, die Kritik an der Familie, die sich mit dem Nationalsozialismus arrangiert hatte, und auch die Versuche als Produzentin, Regisseurin und Gründer der Bayreuther Meisterklassen nach dem Krieg. Tewinkel attestiert der Autorin, trotz der mitunter feindseligen Verhältnisse unter den Wagner-Nachkommen und den familiären Intrigen ihren Gegenstand ohne Ressentiments zu betrachten.
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