Christopher Clark stellt in seinem 2013 auf Deutsch erschienenen Buch "Die Schlafwandler" die alleinige Kriegsschuld des Deutschen Kaiserreichs am Ersten Weltkrieg infrage. Ignaz Miller mischt sich ein in die Diskussion dieser These, die in Fachkreisen für einigen Aufruhr sorgte. Bezug nehmend auf wichtige internationale Literatur zum Thema zeichnet er in 14 Kapiteln ein Bild des Deutschen Reiches, das nicht Opfer, sondern Täter war. Er zeigt, welche Stimmung in Deutschland vor und nach dem Krieg vorherrschte; untersucht, wie ein Nährboden für den Kriegswillen entstehen und sich auch nach Ende des Ersten Weltkriegs erhalten konnte; beleuchtet, was das Deutsche Reich in den Krieg trieb und wie konsequent es sich nach dem Krieg den Realitäten verweigerte und führt aus, dass bereits in der Weimarer Republik die Weichen für den nächsten Krieg gestellt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2014
Michael Epkenhans empfiehlt diese Lektüre beinahe unbedingt. Als lohnender Kontrast zum Gesang von den Schlafwandlern, die in den Ersten Weltkrieg stolperten, scheint ihm die Arbeit des Historikers Ignaz Miller mutig und wichtig. Wenn Miller kein Blatt vor den Mund nimmt und Überrüstung und Überschuldung und den Willen Deutschlands, eine Diktatur in Europa zu errichten als Gründe und Verantwortung des Deutschen Reiches für den Krieg benennt, kann der Rezensent zwar nicht in allen Einzelheiten zustimmen (so erscheint ihm mancher Vergleich mit der Gegenwart künstlich), anregend findet er das Buch aber allemal. Zumal die Quellennähe Epkenhans davon überzeugt, dass es der Verfasser Ernst meint und fundiert gegen den Trend zur Relativierung der deutschen Verantwortung arbeitet.
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