Anhand von Porträts über Adolph Menzel, Max Klinger, Lesser Ury, Max Slevogt, Max Liebermann, Wilhelm von Bode, Josef Kainz, Max Reinhardt oder Hans von Bülow etwa - stets aus persönlicher Verbundenheit und in einer Mischung aus Anekdotischem und Sachlichem geschrieben - vergegenwärtigt Max Osborn in "Der bunte Spiegel" die kulturelle Blüte der Wilhelminischen Ära und der Weimarer Republik. Er erzählt viele skurrile Begebenheiten aus dem Leben der Künstler, so etwa, wie seinem letzten Willen gemäß der Kopf vom Rumpf des Schriftstellers Otto Erich Hartleben getrennt und dieser in Berlin, der Körper dagegen im italienischen Salò beigesetzt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2013
Rezensent Lothar Müller begrüßt diese Neuauflage von Max Osborns Erinnerungsbuch "Der bunte Spiegel", das ursprünglich 1945 in New York erschienen war. Die Erinnerungen des deutschen Journalisten und Schriftstellers (1870-1946), der 1938 emigrierte, zeichnen für ihn plastisches Bild der Epoche vor dem Heraufziehen des Nationalsozialismus, wobei der Schwerpunkt vor 1914 liegt. Geschildert werden Besuche bei Künstlern wie Beckmann, Menzel, von Renoir und Pissarro oder auch James Ensor, es gibt Porträts von Dilthy, von Schauspielern und Schriftstellern. Müller schätzt den Autor als begnadeten Erzähler, zahlreiche Anekdoten, die Osborn in den Jahren des amerikanischen Exils Freunden und Bekannten erzählt, scheinen ihm in das Werk eingeflossen. Neben dem Geleitwort von Thomas Mann hebt er die Erinnerungen der Enkelin Osborns an ihren Großvater hervor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2013
Zurück ins glückliche Berlin der Jahrhundertwende, nicht der letzten, der vorletzten, fühlt sich Konstanze Crüwel versetzt mit den wiederzuentdeckenden, lange vergriffenen, nun neu herausgebrachten Erinnerungen des Kunst- und Theaterkritikers Max Osborn. Den Verlag überschüttet Crüwel mit Dankeshymnen, bringen ihr Osborns Anekdoten über Theatereröffnungen, seine Künstlerporträts und Essays zu Kunst und Wissenschaft in ihrer mäandernden Form doch Erkenntnisse und Unterhaltung in Hülle und Fülle. Dass der Autor seine 1945 im amerikanischen Exil publizierten Erinnerungen ohne Nostalgie und Larmoyanz, dafür mit viel Witz verfasst hat, erfüllt die Rezensentin mit Respekt.
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