Der Maler, Kunstkenner und Kunstgelehrte Johann Heinrich Meyer, der "Kunschtmeyer", wie der Weimarer Dichterfürst ihn nannte, war Goethes hoch geschätzter Berichterstatter und Begutachter. Schon zu Lebzeiten ging dem gradlinig-bescheidenen Schweizer Künstler und Kunsttheoretiker der Ruf voraus, "ein philiströser Handlanger, ein pedantischer Kleinigkeitskrämer" zu sein. Jochen Klauß räumt mit diesem Vorurteil auf und stellt zum ersten Mal den Menschen Meyer und seine Rolle im Gefüge der Weimarer Kulturszene und Geselligkeit dar. Meyer wird in dieser Darstellung nicht wie bisher üblich ausschließlich als Rom-Kenner und Freund Goethes charakterisiert, sondern auch als Vermittler deutsch-Schweizer Beziehungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2001
Jochen Klauß hat eine ganze Reihe von Veröffentlichungen über den Alltag im klassischen Weimar vorgelegt, weiß Wolfgang Schneider. Die findet der Rezensent auch unbestritten informativ und lesenswert. Das neue Buch von Klauß ist Johann Heinrich Meyer, einem der engsten Freunde Goethes, gewidmet. Über den gibt es aber, so Schneider, wenig zu berichten, denn Meyer war ein Mensch im Hintergrund, über den nur wenig Privates überliefert ist. So gesehen weiß auch der Autor nicht viel über den Menschen Meyer zu erzählen und versteigt sich stattdessen auf detailreiche Berichte über die eher provinziellen Kunstbemühungen Meyers in Weimar. Der Mensch Meyer, so Schneider, bleibt bei allem Aufwand, den Klauß für seine Biografie betreibt, "lückenhaft und blass". Wer gerne Fakten über das historische Weimar liest, sei mit dem Buch gut bedient. Wer mehr über Meyer wissen will, sollte besser, resümiert Schneider, Thomas Manns "Lotte aus Weimar" lesen.
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