Johann Wolfgang von Goethe war ein berufstätiges Genie, dem es nie genügte, der größte lyrische Dichter in deutscher Sprache zu sein: ein Minister mit sechs Ressorts, der sich in einer Menge Verwaltungsarbeit erging, Naturforscher, Sammler, Liebender, Reisender, Maler, ein prometheischer Grenzgänger schließlich mit allen Gefährdungen, die das mit sich bringt. In Goethes Leben und Werk geht es um Individualität, ihre Möglichkeiten und Grenzen. Von mühsamen Wandlungsprozessen und "fruchtbaren Irrtümern" ist beim Dichter und seinen Protagonisten die Rede. Doch während der männliche Held scheitert und zum Opfer seiner eigenen Maßlosigkeit wird, steht ein weiblicher Geist am Ende des Lebenswerks für eine große Vision: Steigerung ohne Selbstüberhebung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.08.2009
Gustav Seibt weiß: Mit weniger als 500 Seiten ist an Goethe eigentlich nicht heranzukommen. Um so erfreuter zeigt er sich über Sabine Appels ausdrücklich an junge Leser sich wendenden Einsteiger-Band. Appels 300-seitige Biografie, so informiert uns Seibt, beschränkt sich zwar auf den Dichter und den Liebenden Goethe, setzt aber beim Leser nichts voraus und wartet "zuverlässig" mit den wichtigsten Zitaten und Fakten auf. Seibt entdeckt "auf jeder Seite etwas Interessantes". Wäre da nicht der bisweilen penetrant lockere Ton der Autorin, die anbiedernde Verwendung von Vokabeln, wie "Shooting-Star", die Goethes Zeit in Weimar zum "schalen Witz" herabwürdigt, Seibt wäre eigentlich rundum zufrieden mit diesem Buch.
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