Jan Rehmann untersucht, wie Deleuze und Foucault das Nietzsche-Bild so transformierten, dass es mit dem enttäuschten Protestmilieu der französischen Nach-Achtundsechziger kompatibel wurde. Dabei nimmt er die Nietzsche-Lektüre selbst als postmoderne Konstruktionsleistung in den Blick.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2005
Eine "ausgezeichnete Fleißarbeit" erblickt Rezensent Dietmar Dath in Jan Rehmanns Studie über die Altlasten der französischen Postmarxisten. Von Deleuze' Zweckentfremdung des spinozistischen Verständnisses von "Macht" bis zu Foucaults geistreichen Konfusionen betreffs Strafvollzugskritik: Rehmann lege den Finger in alle Wunden, "die sich die deutsche Gesellschaftskritik zur Strafe für ihre APO-Aufmüpfigkeiten selbst geschlagen hat." Viel mehr erzählt Dath über das Buch allerdings nicht. Stattdessen holt er aus zum polemischen Rundumschlag gegen die Verirrungen der linken Intelligenz in Deutschland. Weder die Marx-Lesegruppen mit ihrem Debattierzwang, noch die frühen Anti-Atomkraft- und Krötenschutzbewegung, noch die ersten Deleuze- und Foucault-Fans, jene "asketischen Allesdurchschauer", verschon er mit seinem Spott. Auch die Grünen, diese "bei lebendigem Leib leninhaft einbalsamierte basisdemokratische, ökologische, gewaltfreie Chaospartei", bekommen ihr Fett weg. Befriedigt stellt Dath schließlich fest: "Die Riesenleiche des westlichen Neomarxismus ist abgebaut."
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