Isabell Lorey

Demokratie im Präsens

Eine Theorie der politischen Gegenwart
Cover: Demokratie im Präsens
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783518299272
Kartoniert, 217 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Inmitten der Krisen und Bedrohungen der liberalen Demokratie entwickelt Isabell Lorey eine Demokratie im Präsens, die politische Gewissheiten ebenso aufbricht wie lineare Vorstellungen von Fortschritt und Wachstum. Mit ihrer queer/feministischen politischen Theorie formuliert sie eine grundlegende Kritik an maskulinistischen Konzepten von Volk, Repräsentation, Institution und Multitude. Und sie entfaltet einen originellen Begriff von präsentischer Demokratie, der auf Sorge und Verbundenheit, auf der Unhintergehbarkeit von Verantwortlichkeiten beruht - und ohne vergangene Kämpfe und aktuelle Praktiken sozialer Bewegungen nicht zu denken ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2020

Rezensent Karsten Fischer zeigt sich durchweg enttäuscht von Isabell Loreys Versuch zu einer Theorie der politischen Gegenwart und einer Neuerfindung der Demokratie. Beides leistet das Buch laut Fischer nicht. Wenn die Autorin mit Rousseau und Benjamin, der Idee der Sorge und eines queeren Schuldenbegriffs hantiert, schwindelt dem Rezensenten bald wegen all der "Worthülsen", die ihm da um die Ohren fliegen. Sinn kann die Autorin den von ihr bemühten Begriffen nicht verleihen, meint Fischer. Und wenn Lorey Rechtspopulismus und Vatikan an einem Strang ziehen sieht, ist für Fischer die Verschwörungstheorie nicht mehr weit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

Rezensent Jens-Christian Rabe ist außerordentlich angetan von diesem Entwurf, Demokratie noch einmal neu zu denken. Um den Kontext zu beschreiben, in dem er diese Arbeit einordnet, zeigt er zu Anfang seiner Besprechung die tiefen Gräben auf, die heutzutage herrschen zwischen Wokeness und Warnungen vor dem Ende der Meinungsfreiheit. Der Kritiker beschreibt die Politiktheoretikerin als deutlich auf feministisch-queerer Seite stehend und freut sich daran, dass sie dennoch "ironischerweise" mit Jean-Jacques Rousseau, Jacques Derrida, Walter Benjamin, Michel Foucault und Antonio Negri eine Handvoll männliche Theoretiker ins Feld führt für ihre "präsentistische Demokratie"-Idee. Es geht ihr dabei offenbar um eine Demokratie, die sich nicht auf autonome Individuen, aber auch nicht kollektive Identiäten stützt, sondern "aus Verbindungen und Affizierungen entsteht", zitiert er die Autorin. Das bleibt im Praktischen etwas vage, findet Rabe. Aber die Beschreibung der bestehenden Mängel und notwendigen Ausgangsfragen haben den Kritiker davon überzeugen können, dass es gut wäre, von hier aus weiterzudenken.

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