Winfried Kretschmann

Der Sinn von Politik ist Freiheit

Warum Hannah Arendt uns Zuversicht in schwieriger Zeit gibt
Cover: Der Sinn von Politik ist Freiheit
Patmos Verlag, Ostfildern 2025
ISBN 9783843616034
Gebunden, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Winfried Kretschmann macht keinen Hehl daraus, dass ihn Hannah Arendt (1906-1975) seit langem inspiriert. Die deutsch-amerikanische Denkerin - zu Lebzeiten ebenso streitbar wie umstritten - gilt heute als moderne Klassikerin der politischen Philosophie. Mutig, leidenschaftlich und unkonventionell feiert sie die Einzigartigkeit jedes Menschen und plädiert für ein Miteinander der Verschiedenen, die gemeinsam ihre Welt gestalten. Ihr Credo: Der Sinn von Politik ist Freiheit. Damit ist Arendt Vordenkerin einer aktiven Bürgergesellschaft, in der gilt: Politik ist Sache von uns allen. Winfried Kretschmann erzählt, wie er als junger Mann Hannah Arendt entdeckte, wie ihr Politikverständnis seine Sicht auf die Welt veränderte und seither sein politisches Handeln prägt. Er macht die Leserinnen und Leser sehr persönlich mit der großen Denkerin vertraut, deren Lektüre sein Leben begleitet. Und er zeigt auf, wie uns Hannah Arendt in einer Zeit, in der alte Gewissheiten verloren gehen, Halt und Orientierung geben kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.12.2025

Hannah Arendts Denken "elekrisiert"  die Menschen bis heute, stellt Rezensent Peter Neumann fest. Warum das so ist, kann er in gleich drei neuen Büchern über die Philosophin nachlesen, die ihm allesamt eine "faszinierende Fülle neuer Denkanstöße" bieten. Im Arendt-Buch des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann geht es weniger um Wissenschaftlichkeit als um eine umfassende "Würdigung" der Denkerin, so der Kritiker. Es ist ein sehr persönliches Buch, das die private Bedeutung von Arendts Ideen für den Politiker, ihre Funktion als intellektuelle "Sparring-Partnerin", herausstellt. Besonders bedeutend ist für Kretschmann der Gedanke, dass Personen erst in der öffentlichen Debatte und im Konflikt zur vollen Entfaltung kommen - ein nachdrückliches Plädoyer also für das "Aktivbürgertum", erklärt der zufriedene Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025

Teils mit Sympathie, teils skeptisch liest Rezensent Rüdiger Soldt Winfried Kretschmanns Buch. Der Baden-Württembergische Ministerpräsident widmet sich darin Soldt zufolge Hannah Arendt, deren Denken er sowohl als leitend für seine eigene intellektuelle Entwicklung darstellt als auch der Politik grundsätzlich als Leitbild anempfiehlt. Kretschmann entwickelt, lesen wir bei Soldt, Gedanken zu Arendts Ideen zu Pluralität, Natalität und anderem, das Politikkonzept, das dabei zum Vorschein kommt, ist nah an Habermas und setzt vor allem auf Bürgerbeteiligung statt Bürgerbelehrung. Soweit so gut, meint Soldt, dem sich das alles freilich oft zu vergangenheitsfixiert und zu sehr nach Politikerrede liest. Ob man mit idealistischer Arendt-Lektüre dem gegenwärtigen Rechtsruck beikommen kann? Soldt ist sich nach Lektüre des Buches da nicht so sicher. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.09.2025

Die Rezensenten Roman Deininger und Roland Muschel können Winfried Kretschmanns Buch einiges abgewinnen. Ganz untypisch für ein Politikerbuch gehe es darin weder um Wahlkampf noch um Rechtfertigung, sondern um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Kretschmanns großem Philosophie-Idol Hannah Arendt. Das finden die Kritiker schon an sich bemerkenswert, ebenso wie den Umstand, dass Kretschmanns politische Karriere "trotz" intellektueller Neigung funktionieren konnte. Auf der Höhe der Arendt-Forschung bewege sich das Buch natürlich nicht, stellen die Kritiker klar, aber gut genug verstanden habe der Autor die Philosophin schon, um nicht nur ein paar hübsche Zitate zu versammeln, sondern "seine Politik erklären, begründen, herleiten" zu können. Dass Kretschmann dann die philosophische "Tiefenbohrung" in konkrete Apelle zur politischen Teilhabe und Gestaltung münden lässt, ist für die Kritiker auch eher ein Verdienst als kritikwürdig; an Praxisbezug mangele es ihm nicht, wie auch konkrete Beispiele - etwa Kretschmanns Umgang mit Stuttgart 21 - den Kritikern zeigen.

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