Die Feinde der Demokratie sind zahlreicher und lauter geworden: autoritäre Staatsmächte und korrupte Machtgruppen, Identitäre und Verschwörungstheoretiker, Neo-Nazis, rechtsextreme Parteien, gewaltfreudige linksradikale Gruppen, ausländische und inländische Terrorkommandos sowie psychisch kranke Einzeltäter, um nur einige zu nennen. Doch auch kollektive Apathie und schäumende Wut ("Wutbürger") stellen die Demokratie infrage. Nicht zu vergessen die großen Korruptionsskandale und der Missbrauch politischer Macht. Demokratie ist mühsamer geworden; sie erfordert Bürger:innen, die zugleich kritisch sind, Vertrauen haben und öffentlich tätig werden, wenn ihr Bestand gefährdet ist. Antonia Grunenberg lotet die wechselvolle Geschichte der deutschen Nachkriegsdemokratie vor dem Hintergrund eigener jahrzehntelanger politischer Erfahrungen aus. Sie rekapituliert Ereignisse, Bewegungen und Konflikte, an denen sichtbar wird, welche Stärken und Schwächen eine Demokratie zeigt und wie die deutsche Demokratie an großen Konflikten, an eigenen und fremden Fehlern gewachsen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2022
Rezensent Alexander Gallus lobt Antonia Grunenbergs essayistische Zeitdiagnose in Sachen Demokratie. Dass Grunenberg politische Philosophie, politikwissenschaftliche Betrachtungen und Autobiografisches aus der Zeit der alten BRD vermischt, macht die Lektüre für Gallus nicht immer leicht. Einen rettenden roten Faden erkennt er schließlich in Grunenbergs Überzeugung, dass Demokratien einer lebendigen Zivilgesellschaft bedürfen. Wenn die Autorin die "Letzte Generation" kritisiert oder die Erstürmung des Kapitols in Washington betrachtet, nimmt sie allerdings die institutionelle Seite in Schutz, erkennt Gallus beinahe erleichtert. Ein meinungsfreudiges, bisweilen kulturpessimistisches, im Ganzen aber von Vertrauen in die Vitalität der Demokratie getragenes Buch, so Gallus.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.12.2022
Rezensent Jörg Hackeschmidt ist beruhigt, dass die Politikwissenschaftlerin Antonia Grunenberg in ihrem Buch keinen alarmistischen Ton anschlägt, wenn sie durchaus sorgenvoll auf den Zustand der Demokratie blickt. Dass die Freiheit von rechts wie von links bedroht ist, macht ihm die Autorin auch im Hinblick auf die Klimaaktivisten bewusst. Die biografischen Momente im Text, die Grunenberg als Zeitzeugin (etwa der Prager Ereignisse von August 1968) zeigen, scheinen Hackeschmidt charmant und eine willkommene Ergänzung des analytischen Teils.
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