Herta Müller

Mein Vaterland war ein Apfelkern

Cover: Mein Vaterland war ein Apfelkern
Carl Hanser Verlag, München 2014
ISBN 9783446246638
Gebunden, 240 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Angelika Klammer. Herta Müller erzählt von dem, was sie zum Schreiben gebracht hat. "Ich stehe (wie so oft) auch hier neben mir selbst." So begann Herta Müller ihre Tischrede nach der Verleihung des Nobelpreises. In einem langen Gespräch mit Angelika Klammer erzählt sie von ihrem ungewöhnlichen Lebensweg, der vom Kind, das Kühe hütet, bis zur weltweit bekannten Schriftstellerin im Stadthaus in Stockholm führt. Sie erzählt von der Kindheit in Rumänien, vom Erwachsenwerden und dem erwachenden politischen Bewusstsein, von den frühen Begegnungen mit der Literatur, den Konflikten mit der Diktatur des Kommunismus und dem eigenen Weg zum Schreiben. Mit ihrem Bericht vom Ankommen in einem neuen Land fällt auch ein ungewohnter Blick auf das Deutschland der 80er und 90er Jahre und auf die Gesellschaft, in der wir heute leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2015

Tomasz Kurianowicz ist beeindruckt ob der Kompromisslosigkeit Herta Müllers in den Gesprächen über ihr Aufwachsen im dörflichen Rumänien unter der Ceauşescu-Diktatur. Der Rezensent erfährt viel über Müllers "Strategien des inneren Widerstands" gegen die Despotie, die sie allerdings nicht nur dem System, sondern auch ihrem Umfeld ungemütlich machten, sodass sie sich zunehmend vereinzelt fand, berichtet Kurianowicz. Immerhin hat die Einsamkeit Müller zum Schreiben gebracht, und angesichts der andauernden Ungerechtigkeiten auch hierzulande, wo man es sich in den Vorzügen der Freiheit so gemütlich gemacht hat, dass es an Ignoranz grenzt, tun Beispiele moralischer Integrität, wie Müller eines darstellt, Not, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2014

Wie das Leben in einer Diktatur den Blick schärfen kann, für Poesie, für Ethik und Ästhetik, erkennt Samuel Moser beim Lesen dieser Gespräche, die Angelika Klammer mit Herta Müller geführt hat. Autobiografisches findet er weniger in diesem Buch und sucht es auch nicht, auch wenn Müller von ihrer Kindheit erzählt. Es ist das Literarische, das hier durchschlägt und Moser fasziniert, wenn Müller in Bildern spricht, genau formuliert und Vorstellung und Realität sich vermengen lässt. Dahinter aber kommt für Moser die Erfahrung zum Vorschein, dass alles Reden und Schreiben nichts zu heilen vermag und Beschädigung eine intime Bindung ist. In all dem ähneln die Gespräche den erzählenden Büchern der Autorin sehr, findet Moser und freut sich darüber.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2014

Der das Schreiben antreibenden "Schmerz-Schönheit" begegnet Jörg Magenau auf den Seiten dieses Gesprächs- und Erinnerungsbandes immerzu. Wenn die Lektorin Angelika Klammer dezent Stichworte liefert und Herta Müller ausführlich antwortet und einmal mehr, hier aber direkt und intim, wie der Rezensent erklärt, von den Bedrängnissen in der Ceausescu-Diktatur berichtet, geht Magenau die Identität von Leben und Schreiben auf. Anstelle von "Poesieverlust" verweist der persönliche Zugriff auf Müllers Themen hier auf die sprachliche Bewältigung des Entsetzens als Teil der Existenz, so erläutert es Magenau.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.10.2014

Jürgen Verdofsky ist der Herausgeberin Angelika Klammer dankbar, dass sie sich für den Gesprächsband "Mein Vaterland war ein Apfelkern" mit der Rolle der Stichwortgeberin für Herta Müller begnügt hat. Anders als in der Schrift braucht Müller in der Rede Platz, Platz für Aus- und Abschweifendes, erklärt der Rezensent, der diese Variante der Müller'schen Sprache aber nicht weniger eindrucksvoll findet. Immer wieder lassen sich auch Spuren ins Werk finden, biografische Details, die literarische Motive, Menschen, Figuren motiviert haben mögen, auch Indizien für psychologische Mutmaßungen darüber, wie die Autorin zu ihrer Sprache gefunden hat, fasst Verdofsky glücklich zusammen.