Die Bilder der Aburteilung und Hinrichtung der Ceausescus am 25. Dezember 1989 gruben sich als düsteres Negativ der samtenen Revolutionen tief ins kollektive Unbewusste mehrerer Generationen westlicher Fernsehzuschauer. Der 20. Jahrestag bot den Anlass für umfangreiche Recherchen vor Ort. Die Zeitzeugengespräche mit dem General, der die Ceausescus verriet, oder dem Soldaten, der sie erschoss, ergeben ein Panorama des Untergangs eines der zugleich absurdesten und totalitärsten Regimes der Weltgeschichte. Die daraus entstandene Re-Inszenierung dieses letzten europäischen Schauprozesses durch Milo Rau und das International Institute of Political Murder wurde im Rahmen der rumänischen Voraufführungen kontrovers diskutiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2010
Detailreicher und konturenschärfer gerät dem Rezensenten das Bild der rumänischen Revolution und der Machenschaften der "Front der Nationalen Rettung" beim Lesen dieses Bandes des Schweizer Regisseurs Milo Rau. Für Karl-Peter Schwarz steht außer Zweifel, dass sich hinter dieser Front Militärs und Securitate-Leute verbargen, die das Diktatorenpaar Ceausescu nach einem "Wegschau-Prozess" ermorden ließen, um sich selbst an die Macht zu putschen. Dass der Text als Buchfassung zu Raus Re-Enactment der letzten Tage der Ceausecus und in teilweise schwer verdaulicher gewundener Sprache daherkommt, schreckt den Rezensenten nicht ab. Belohnt wird er mit gut recherchiertem Material zum Prozess gegen das Diktatorenpaar und mit von Rau dokumentierten Aussagen vonseiten des demokratischen Widerstandes über die Maskierungen des Staatsstreiches durch die "Front".
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