Andreas Saurer

Modernisierung und Tradition

Das Rumänische Dorf 1918-1989
Cover: Modernisierung und Tradition
Gardez Verlag, St. Augustin 2003
ISBN 9783897960961
Paperback, 140 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Diese Rumänien-Länderstudie versucht eine synthetische Annäherung an die sich nachhaltig verändernde Dorfrealität zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Hinrichtung des autoritären Langzeit-Herrschers Nicolae Ceausescu an Weihnachten 1989. Der vom jeweiligen politischen System gegebene strukturelle, gesellschaftliche und ideologische Kontext wird in der vorliegenden Literaturarbeit ebenso beleuchtet wie die individuellen und kollektiven (Abwehr-)Strategien, mit denen die Betroffenen auf diese Integration ohne Partizipation reagiert haben. Deutlich erkennbar werden so über die politische Zäsur von 1944/45 hinweg sowohl Brüche als auch Kontinuitätslinien im Modernisierungs-Prozess.
Als solide Grundlage für die Zwischenkriegszeit standen die - durchaus politisch motivierten - ausführlichen Dorfuntersuchungen der Gusti-Schule zur Verfügung. Schlagworte wie Agrarreformen, Kalenderreform, Kollektivierung und (Dorf-)Systematisierung, Alphabetisierung, Pendlerwesen und Identität deuten an, welchen gleichzeitig integrativ und marginalisierend wirksamen Tendenzen und Zwängen die dörfliche Welt des 20. Jahrhunderts im Modernisierungsprozess ausgesetzt war. Fallbeispiele vertiefen einzelne dieser Aspekte und lassen sie auf der Ebene des dörflichen Alltags, des Individuums und der zwischenmenschlichen Beziehungen anschaulicher und transparenter werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2004

Eine "lesenswerte Untersuchung" sieht Ulrich M. Schmid in Andreas Saurers Studie über das rumänische Dorf von 1918-1989, die die sozialen und kulturellen Aspekte der autoritären Umgestaltung dörflicher Strukturen in Rumänien unter die Lupe nimmt. Die ursprüngliche Verklärung des Dorfes als Hort des rumänischen Nationalgeistes ist im Lauf des 20. Jahrhunderts der Einsicht gewichen, dass die elenden Lebensumstände der Bauernschaft dringend verbessert werden müssten, referiert Schmid. Allerdings habe das staatliche Modernisierungsprogramm dazu geführt, dass Tausende von kleinen Dörfern und Siedlungen einfach geschleift wurden. "Die Kollektivierung verband sich mit einer prekären Nationalisierungspolitik", so Schmidt, "die rumänischen Frauen vorschrieb, mindestens vier Kinder zu gebären." Erst seit 1990 lasse sich in den Dörfern ein allmählicher Übergang zur Normalität beobachten.
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