Herfried Münkler

Der Große Krieg

Die Welt 1914 bis 1918
Cover: Der Große Krieg
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783871347207
Gebunden, 928 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Er fegte die alte Welt hinweg und haftet seit vier Generationen im kollektiven Gedächtnis: der Große Krieg. Als Ausbruch aus einem scheinbar stillstehenden Zeitalter der Sicherheit wurde sein Beginn am 1. August 1914 von vielen noch euphorisch begrüßt. An seinem Ende, im November 1918, waren zu bilanzieren: 17 Millionen Tote, eine in Trümmer gestürzte Weltordnung und ungestillte Revanchegelüste. Der Erste Weltkrieg veränderte alles. Nicht nur betraten die USA und die Sowjetunion die Weltbühne, auch die Ära der Ideologien und Diktaturen begann, die zu Hitler und schließlich zum Zweiten Weltkrieg mit all seinen Verwerfungen führte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2014

Im Ganzen überzeugend und ausgewogen findet der Militärhistoriker Werner Rahn Herfried Münklers voluminöse Gesamtdarstellung des Ersten Weltkrieges. Vorgeschichte und Verlauf des Krieges lässt sich Rahn vom Autor in neun Kapiteln darlegen, sachkundig und mittels kommentierten Fotos und Kartenmaterial auch anschaulich, wie er findet. Münkler erklärt ihm Strategien, Logistik, Waffentechnik und -wirtschaft sowie die einzelnen Offensiven zu Land, zu Luft und zu Wasser. Dass der Autor mitunter die Terminologie der Kriegsmittel nicht vollends beherrscht, fällt Rahn zwar auf, stört seinen positiven Gesamteindruck aber nicht. In Sachen Funkaufklärung hätte sich der Rezensent allerdings im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen etwas mehr Information gewünscht. Münklers Ausführungen über die Auswirkungen des Krieges auf unsere Gegenwart scheinen Rahn allerdings wieder kritisch und genau genug. Das Literaturverzeichnis mit über 800 Titeln imponiert ihm.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.12.2013

Dirk Pilz würdigt Herfried Münklers Buch über den Ersten Weltkrieg als "erste umfassende Studie" aus deutscher Feder seit 1968. Während der britische Historiker Christopher Clark in seiner internationalen Studie den Großen Krieg als einen "vereinten Amoklauf Europas" beschreibt, beschränkt sich Münkler auf Deutschland und die Donaumonarchie und sieht hier, wie der Rezensent erklärt, durchaus noch Verantwortliche, wenn auch nicht mehr Hauptschuldige. Sehr genau findet Pilz die politischen Zusammenhänge oder das Ineinanderfließen von unterschiedlichen Konflikten analysiert und scheint von Münklers Schlussfolgerung überzeugt, wonach es nicht an politischen Alternativen gefehlt hat, sondern an alternativen Politikern.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2013

Rezensent Cord Aschenbrenner befasst sich mit einer ganzen Reihe von aktuellen Büchern zum Ersten Weltkrieg. Herfried Münklers "Der Große Krieg. Die Welt 1914-1918" zählt für ihn zu den herausragenden Neuerscheinungen zum Thema. Er würdigt das voluminöse Werk - die "erste deutsche Gesamtdarstellung seit über vierzig Jahren" - als eingehende Auseinandersetzung mit allen Aspekten dieses Krieges von 1914 bis 1918: die Opfer und der "Krieg des kleinen Mannes" werden ebenso erhellt wie der Blick der Regierenden, der Politiker und Militärs und die verschlungenen Interaktionszusammenhänge. Ähnlich wie bei Christopher Clark findet Aschenbrenner auch bei Münkler eine Relativierung der These von der Hauptverantwortung Deutschlands für den Ersten Weltkrieg zugunsten einer komplexeren Sichtweise. Er hebt Münklers Überzeugung hervor, dass der Krieg hätte vermieden werden können. Mit Lob bedenkt er die sehr gut lesbare Darstellung des Autors und seine profunden Kenntnisse noch der kleinsten Details. Das Resümee des Rezensenten: "ein umfassendes Standardwerk."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2013

Nach der Lektüre kann Stephan Speicher dem Autor beipflichten in seiner Meinung, aus keinem Krieg lasse sich mehr lernen, als aus dem Ersten Weltkrieg. Dem Politologen Herfried Münkler gelingt es demnach, anhand einer Geschichte Deutschlands im Krieg, nicht der Entente-Mächte, wie Speicher bemerkt, anhand einer die sozialen und ökonomischen Umstände nur streifenden politisch-militärischen Geschichte, gedankenvoll zu zeigen, woher die andauernden Probleme Deutschlands, etwa mit seinen Nachbarn rühren. Dass der Autor nicht zu Großtheorien neigt, sondern mit Feingefühl Verantwortungen herausarbeitet, gefällt Speicher ausnehmend gut.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.12.2013

Dass Herfried Münkler ein facettenreiches Bild vom Ersten Weltkrieg zeichnet, ist für den Rezensenten Stefan Reinecke unbenommen. Als Politikwissenschaftler hat Münkler keine gesamteuropäische Quellenforschung betrieben (wie etwa Christopher Clark in seinem monumentalen Buch "Die Schlafwandler"), sondern beschränkt sich auf eine Analyse des politisch-militärischen Komplexes in Deutschen Reich, erklärt Reinecke. Für das große Desaster hält Münkler dabei nicht den Ausbruch des Krieges, sondern mehr noch die Unfähigkeit der Regierungen in Berlin, Wien, Paris, London und Moskau, ihn wieder zu beenden. Reinecke bemerkt auch, dass Münkler die lange geltende These des Historikers Fritz Fischer revidiert, der den krieg für eine logische Folge des deutschen Militarismus hielt. Münkler macht eher eine Bündel von Ursachen - "Leichtsinn, Zufall und strukturelle Gründe" - verantwortlich, was den Rezensenten nur auf den ersten Blick überzeugt. Klar, Differenzierung klingt immer gut, wird aber irgendwann auch recht ungefähr: "Das unübersichtliche Geflecht von Bedingungen, Zufällen, Interessen existiert ja fast immer", schreibt Reinecke und wünscht sich das Update einer anständigen Imperialismustheorie.

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