Daniel Schönpflug

Kometenjahre

1918: Die Welt im Aufbruch
Cover: Kometenjahre
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783100024398
Gebunden, 320 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

November 1918. Der Große Krieg hat die alte Welt in Schutt und Asche gelegt, und doch scheint das Schicksal der Menschheit so offen wie selten zuvor. Hell leuchten neue Möglichkeiten und Träume auf, das Ringen um die Zukunft beginnt. Die Kosakin Marina Yurlova kämpft in Sibirien gegen die Revolution, Käthe Kollwitz macht ihren Schmerz zu Kunst, Rudolf Höß marschiert mit dem Freikorps, Virginia Woolf revolutioniert den Roman, Walter Gropius will mit der Architektur die Gesellschaft verändern und die Publizistin Louise Weiss wirbt in Paris leidenschaftlich für ein vereintes Europa. Virtuos schildert Daniel Schönpflug diesen einmaligen Moment und die Jahre, die folgten, aus der Perspektive von Menschen, die sie erfahren und geprägt haben. Das Panorama einer einzigartigen Zeit zwischen Enthusiasmus und Enttäuschung, zwischen Zukunftstrunkenheit und Zerstörung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2017

Fasziniert ist Rezensent Alexander Gallus mit Daniel Schönpflugs Kometen um die Welt gereist und hat ganz neue Perspektiven auf das Jahr 1918 gewonnen. Wie ein "Kaleidoskop" funkelnder Geschichten erscheint dem Kritiker das Buch, in dem der Historiker Beobachtungen, Erfahrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen von Zeitgenossen feinsinnig zusammengestellt und verlebendigt hat. Gallus lauscht hier deutschen Künstlern und Politikern, amerikanischen Soldaten, irischen und nahöstlichen Unabhängigkeitskämpfern, begegnet Alma Mahler in Wien, Ho Chi Minh in Fernost, Thomas E. Lawrence auf der Arabischen Halbinsel oder der Kosakin Marina Jurlowa in der Sowjetunion, liest von Diskriminierungstendenzen und Emanzipationsbemühungen und erfährt, wie eng Kreativität und Destruktion miteinander verknüpft waren. Gelegentliche Unschärfen in der Analyse, etwa im Hinblick auf die Epochengrenze 1918, verzeiht der Kritiker diesem "historischen Seiltanz" gern.