Helmut Koopmann

Thomas Mann - Heinrich Mann

Die ungleichen Brüder
Cover: Thomas Mann - Heinrich Mann
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406527302
Gebunden, 536 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Man hat in den vergangenen Jahren das Werk Thomas Manns oft aus seiner homoerotischen Neigung und dem Zwang, diese im Werk gleichsam verstecken zu müssen, erklärt - aber nicht weniger wichtig ist die Auseinandersetzung mit den Gedanken und dem Werk seines Bruders Heinrich Mann, ein Gegeneinander-Anschreiben beider in Rivalität und Konkurrenz. Helmut Koopmann erzählt in diesem Buch die spannungsreiche Geschichte eines Konflikts, der tiefe Spuren im literarischen Werk der beiden Brüder hinterlassen hat. Kaum ein Roman ist frei davon.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.08.2005

Der Rezensent Markus Joch ist beeindruckt von diesem seiner Meinung nach wichtigem Buch, das trotz einiger Auslassungen eine wichtige Lücke in der Forschung über die Brüder Thomas und Heinrich Mann schließt. Denn der Kampf zwischen Brüdern sei "mehr als nur ein Nebenaspekt", sondern habe ebtreffe vielmehr "den Wesenskern des Dichters". Das gilt für beiden Brüder. Der Autor Helmut Koopman zeige, wie "intensiv" die Brüder in ihren Essays und Erzählungen zeitgeschichtliche, artistische und mythologische Motive des anderen aufgegriffen und verändert haben, "meist wohlbeabsichtigt, auf Überbietung bedacht”. Dabei kommt es nach Aussage Jochs aber nicht zu unstatthaften Vergleichen. Der Bruderzwist, diese wesentliche Triebfeder des literarischen Schaffens der beiden Manns, fand nicht ganz auf Augenhöhe statt. Joch schließt sich der Einschätzung des Germanisten Koopmann an, dass Thomas Mann sich stärker an der innerfamiliären Konkurrzenz abarbeitete. Was den Rezensenten allerdings stört, ist die komplette Ausblendung von Thomas Manns homoerotischen Tendenzen. Mit Diskretion gegenüber intimen Belangen ist das Jochs Meinung nach nicht zu rechtfertigen: "Es ist nun mal kein Sakrileg zu fragen, ob sein Protest gegen Heinrichs ‘Sexualismus’ wirklich nur dem ‘schmissigen’ Stil galt, nicht auch dem hundertprozentigen Hetero.”

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2005

Natürlich, so Alexander Honold, lauert eine Gefahr im Brüdervergleich, die Gefahr, allzu sehr ins bloß Biografische zu geraten. Dieser Gefahr aber ist der Germanist und Heinrich- wie Thomas-Mann-Experte Helmut Koopmann nach Ansicht des Rezensenten mit Bravour entgangen. So gelange er gerade dank seiner profunden Kenntnis von Leben und Werk beider Brüder zu neuen spannenden Einsichten gerade zum literarischen Werk. Im genauen Blick aufs Detail findet er in beider Romanen eine Fülle von "Anspielungen, Zitaten, Motivübernahmen, Variationen und Kontrafakturen", die sich jeweils auf das Werk des anderen beziehen. Die einzige Frage, die Honold nicht ausreichend beantwortet findet, ist die nach den Gründen für die Kanonisierung des einen Bruders, nicht aber des anderen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.07.2005

Gustav Seibt erkennt die Bemühung an, findet aber, dass Helmut Koopmanns Buch die Forschung zu Thomas und Heinrich Mann nicht groß weiter bringt. Am ehesten noch im Fall von Heinrich, dessen Schaffen und Denken ja insgesamt weniger untersucht ist. Das Buch - und sein Verdienst - besteht Seibt zufolge vor allem in der ausführlichen Nachzeichnung textlicher Bezüge, während die Darstellung der politischen Haltungen und Konflikte der Brüder eher unterkomplex dargestellt wird. Und vor psychologischen Lesarten des Verhältnisses schreckt Koopmann gleich ganz zurück. So bleibt ihm, urteilt Seibt, alles verborgen, was über textliche Äußerungen hinausgeht. Die Textanalyse möge "allen künftigen Einzeluntersuchungen ein anregendes Arbeitsinstrument" sein - leider eines ohne Register, mit "unzulänglicher" Bibliografie und einem "auf reine Zitatnachweise reduzierten Anmerkungsapparat".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.06.2005

Ein neuer Ansatz, eine originelle These, aber Abstriche bei der Ausführung: Hannelore Schlaffer hat die Studie von Helmut Koopmann einerseits mit Gewinn gelesen. Der Autor, rekapituliert sie, stellt das schriftstellerische und publizistische Schaffen der "ungleichen Brüder" Mann als Arena eines kontinuierlichen Dialoges dar - sie schrieben Bücher, aber eigentlich diskutierten sie miteinander. "In der Folge ihrer Entstehung", schreibt die Rezensentin, "geht Koopmann Romane, Novellen, Essays, politische Aufrufe, autobiographische Dokumente durch und entlarvt sie als gegenseitige Liebeserklärungen, Kampfansagen, Friedensverträge". Eine, wenn auch etwas enge, so doch erhellende Sicht auf das Werk von Thomas und Heinrich Mann. Andererseits, so Schlaffer weiter, mindert Koopmann den Wert und den Erkenntnisgewinn seiner Arbeit, indem er zu weitschweifig argumentiert und viel zu viel nacherzählt, anstatt das magere Fleisch seiner These klar herauszuarbeiten. Und dazu diese ständigen "Scheinfragen" und andere unschöne Stilmittel!