Kirsten Jüngling

'Ich bin doch nicht nur schlecht'

Nelly Mann. Die Biografie
Cover: 'Ich bin doch nicht nur schlecht'
Propyläen Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783549072691
Gebunden, 239 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Fast jeder aus der Familie Mann ist inzwischen biografisch beleuchtet worden, nur Nelly nicht, Heinrichs unziemliche Ehefrau. Kirsten Jüngling, Biografin auch von Nellys ungleicher Gegenspielerin Katia, hat erstmals den Familienbann durchbrochen. Einfühlsam und mit wenig Respekt vor dem weihevollen Mann-Mythos schildert sie den Weg der Emmy Johanna Westphal, adoptierte Kröger, aus den Nöten einer vom Schicksal Vernachlässigten an die Seite des berühmten Schriftstellers. An der Unmöglichkeit, den eigenen Ansprüchen zu genügen, geschweige denen des schwägerlichen Clans, zerbrach Nelly zusehends. Ihre Flucht aus ungeliebten Identitäten, aus Deutschland, aus Frankreich, in den Drogen- und Alkoholrausch und schließlich in den Freitod zeichnet diese längst überfällige Biografie auf bewegende Weise nach.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2008

Großes Lob spendet Martin Thoemmes der Autorin Kirsten Jüngling für ihre Biografie der Nelly Mann, Heinrich Manns Ehefrau, die Thomas Mann als "arge Hur" zu schmähen pflegte. Heinrich Mann hatte Nelly als Bardame in Berlin kennen gelernt und war mit ihr 1933 ins Exil gegangen, zunächst nach Südfrankreich und dann in die USA. Schwer dem Alkohol verfallen, nahm sie sich 1944 das Leben, erzählt der Rezensent. Ihm gefällt, dass die Autorin nicht nur die tragischen Stationen dieses sehr bewegten Lebens vor Augen führt, sondern auch Nelly Manns "Witz" ins rechte Licht zu rücken weiß und damit ihrer Person gerecht wird, ohne ihre Kritiker zu verunglimpfen. Die Darstellung der tiefen Liebe Heinrichs zu seiner Frau, mit der er sie dennoch nicht retten konnte, findet der Rezensent sehr bewegend, wie er schreibt. Seine einzige Kritik an dieser wie er lobt insgesamt sehr gelungenen Lebensbeschreibung bleibt, dass die vielen Informationen, die in den Endnoten des Buches versteckt sind, sich im Haupttext besser gemacht hätten.