Tilmann Lahme

Die Manns

Geschichte einer Familie
Cover: Die Manns
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100432094
Gebunden, 480 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Thomas Manns literarisches Werk überragt die Konkurrenz - und es beherrscht die Familie. Seine Frau Katia hält ihm den Rücken frei und die Kinder vom Hals. Ihre scharfe Zunge ist gefürchtet. Der schöne Sohn Klaus will als Schriftsteller so berühmt sein wie der Vater. Erika, die älteste Tochter, liebt so leidenschaftlich, wie sie hasst. Der scheue Golo sucht sein Glück fern der Familie. Michael will ein großer Musiker werden und kämpft gegen seinen Jähzorn und die hohen Ansprüche der Familie. Der Liebling des Vaters, Elisabeth, redet mit Tieren und rettet die Welt. Und alle lästern über Monika. Die Geschwister experimentieren in der Liebe und mit Drogen, verschleudern das Geld der Eltern - und werden zu ernsthaften Gegnern Hitlers. Wohin das Schicksal sie auch trägt: Die Manns halten zusammen. Und sie verraten einander. Tilmann Lahme erzählt anhand zahlloser bisher nicht zugänglicher Quellen das aufregende Leben der Familie Mann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.10.2015

Rezensent Michael Maar kommt ins Schwärmen bei so viel Unglück und Abwesenheit von Liebe: Ach, die Manns! Wie Tilmann Lahme sie sieht - über 80 Jahre, wohl recherchiert, locker erzählt und mit viel Sinn auch für die weniger berühmten Familienmitglieder, gefällt ihm gut. Auch wenn der Autor mit Legenden aufräumt und Thomas Mann am Ende als Heuchler vor dem Herrn dasteht. Wie dysfunktional diese Familie war, erkennt Maar erst jetzt in ganzer Deutlichkeit, auch oder gerade weil der Autor auf Tiefenpsychologie verzichtet und Fakten sprechen lässt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Hymnisch bespricht Rezensent Gustav Seibt Tilmann Lahmes Buch über die Manns. Der Kritiker attestiert dem Autor nicht nur einen eleganten, leserfreundlichen Schreibstil und brillanten Umgang mit der reichhaltigen Quellenlage, sondern auch das Vermögen oberflächlich witzig und zugleich tiefgehend traurig zu erzählen. Auch die Form einer streng voranschreitenden Chronologie findet Seibt klug gewählt, denn auf diese Weise gelinge es dem Autor, die bekannten Fakten in einen interpretatorischen "Urzustand" zu versetzen und die teilweise schockierenden Ereignisse beim Leser wirken zu lassen. Und so liest der Kritiker gebannt von den Folgen der in der Familie herrschenden Triebregulierung und des Gefühlsmanagements, aber auch von den Drogensüchten und finanziellen Lebensumständen der einzelnen Familienmitglieder.  Nicht zuletzt lobt der Rezensent Lahmes Verzicht auf Kurzinterpretationen der literarischen Werke.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Nur lobende Worte findet Rezensent Jürgen Kaube für Tilmann Lahmes Buch über "Die Manns", das ihn insbesondere durch die akribische Recherche und Sachlichkeit des Autors überzeugt. Bisher kaum bekannte Korrespondenzen der Familienmitglieder habe der Autor hier ausgewertet, berichtet der Kritiker, der in ein familiäres Netz aus Ruhmsucht, Luxus, Neid, Verlogenheit, Exzess, Verachtung, Liebe und Verbitterung eintaucht. Lahme gelinge es, den einzelnen Familienmitgliedern in seiner Chronik zwar zugewandt, aber dennoch äußerst kritisch entgegenzutreten, die brieflichen und oft beschönigenden Selbstbespiegelungen der Schreibenden analytisch und mit gebotener Distanz zu betrachten. Gut geschrieben ist das ganze auch noch, so der hingerissene Kritiker. Und dass Lahme ganz nebenbei noch acht Emigrantengeschichten erzählt, imponiert ihm ungemein.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.10.2015

Eckhard Fuhr findet an der Herangehensweise des Autors an die Jahrhundertfamilie der Manns durchaus Gefallen, auch wenn die Literatur über die Manns bereits Regale füllt. Tilmann Lahme, erklärt der Rezensent, nähert sich ihr in Form eines literarischen Sachbuchs, angelegt als Fuhr an mittelalterliche Geschichtsquellen erinnernde, im Jahr 1922 einsetzende Chronik. Lahmes "brutale" Konsequenz beim Abfassen der Alltagsgeschichte, nicht etwa Kulturgeschichte, wie Fuhr betont, scheint dem Rezensenten mal krude und dem Ruf der Manns nicht unbedingt zuträglich, mal angenehm, so wenn Thomas Mann einmal nicht kalt und egozentrisch erscheint, sondern als anteilnehmender Familienvater. Vieles von dem, was der Autor unter anderem aus den 3000 Familienbriefen mitteilt, liest der Rezensent hier zum ersten Mal.