Eberhard Lämmert

Respekt vor dem Poeten

Studien zum Status des freien Schriftstellers

Klappentext

Eine kleine Geschichte der Literatur von Goethe bis Grass. Der Aufstieg des Schriftstellers zu einem unternehmerischen Einzelgänger und der Entwurf einer Genie-Ästhetik zur Begründung seiner autonomen Produktivität ereignen sich in Europa am Schnittpunkt zweier Epochen: dem Übergang von einer eher statisch geordneten zu einer dynamisch bewegten Gesellschaft etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Künstler, die sich von der Auftragskunst lossagen, handeln sich für ihre Werke das Privileg, aber auch das Risiko der vollen Eigenverantwortung ein.
In einer Abfolge von Einzelstudien steckt Lämmert Stationen und Krisen der Entfaltung des freien Schriftstellers in zwei Jahrhunderten ab und untersucht dabei u. a. Werke von Schiller, Brentano, George, Heinrich und Thomas Mann, Kafka und Tucholsky. Vier Querschnittsstudien gelten schließlich der sich in Deutschland spät entfaltenden Großstadtliteratur, dem Regress des Schreibens unter Diktaturen und parallel dazu dem Exil als einer geradezu prototypischen Lebensform dieser Epoche und runden mit einem Blick auf die neuen Kommunikationsformen der Literatur das Profil des freien Schriftstellers als eines Phänotyps dieser Epoche ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2010

Ein bisschen altmodisch kommt dem Rezensenten Thomas Meissner das Buch schon vor, aber nicht schlimm. Auch macht der Autor in einem Versuch von Selbsthistorisierung im Vorwort eigens auf die mögliche Angestaubtheit einiger seiner Texte aus immerhin vier Jahrzehnten aufmerksam. Meissner aber kann insgesamt gut damit leben. Über  den Exklusivitätsanspruch der Schriftsteller von Goethe über Brentano zu Thomas Mann und seine Folgen (Ideologieanfälligkeit!) erfährt er in den Aufsätzen eine Menge. Zumal in den älteren. Bestechend erscheinen Meissner der Weitblick und die weltliterarische Bildung Eberhard Lämmerts und seine jargonfreie, "methodenreservierte" Ausdrucksweise. Und, da staunt Meissner nun wirklich, sogar mit Hypertexten befasst er sich am Ende.
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