Heinz Bude

Adorno für Ruinenkinder

Eine Geschichte von 1968
Cover: Adorno für Ruinenkinder
Carl Hanser Verlag, München 2018
ISBN 9783446259157
Gebunden, 128 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Die Achtundsechziger polarisieren noch immer. Heinz Bude hat mit Männern und Frauen gesprochen, die damals dabei waren. Gemeinsam ist ihnen der Aufbruch aus der Kindheit zwischen Ruinen in eine Welt des befreiten Lebens. Aber Adorno gab ihnen auf den Weg, dass es einem umso schwerer wird, sich in der Gesellschaft nützlich zu machen, je mehr man von der Gesellschaft versteht. Mit einer trostlosen Vergangenheit im Rücken wollten sie die Gesellschaft verändern, um ein eigenes Leben zu finden. 50 Jahre nach der Revolte ist es an der Zeit zu verstehen, wie viel Privates seinerzeit das Politische bewegte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2018

Für den Rezensenten Gerald Wagner gelangt Heinz Bude mit seinem Buch nicht zu einer befriedigenden Beantwortung der Frage, was heute von 1968 bleibt. Dafür sind die im Buch präsentierten Selbstzeugnisse, die der Autor bereits Mitte, Ende der Achtziger sammelte, einfach zu alt, meint er. Ein weiteres Problem des Buches liegt für den Rezensenten in seiner Strukturierung. Dass Bude versucht, sich an die Gespräche mit Peter Gente, Klaus Bregenz oder Adelheid Guttmann zu erinnern, die ihrerseits um die Erinnerung (an '68) bemüht sind, scheint Wagner dann doch der Rückschau zu viel. Zumal der Autor laut Rezensent nicht kennzeichnet, wer gerade spricht. Zwar entstehe so ein eigener Sound, der Leser verliere aber die Übersicht, meint Wagner. Budes Fähigkeit, das Spekulative in der Erinnerung an '68 zur präzisen Gestalt einer Generation zu verdichten, kann laut Wagner nur einschätzen, wer über ein gewisses Maß an Wissen zur Geschichte der Bundesrepublik verfügt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.02.2018

Dass Heinz Budes "Adorno für Ruinenkinder" auch nach Angaben des Autors in erster Linie ein "Remix" seiner 1995 erschienenen Habitilationsschrift "Altern einer Generation" ist, geht für Rezensent Stephan Speicher in Ordnung - kommt dieser Band doch "schmissiger" als der Vorgänger daher. Methodisch hat der Kritiker allerdings seine Schwierigkeiten mit dieser Arbeit, in der Bude vor allem auf das Gelingende der 68er rekurriere: Dass hier neben bekannten Persönlichkeiten wie Peter Märthesheimer oder Peter Gente einige Figuren - ohne nähere Erläuterung des Autors - unter Pseudonym auftreten, findet Speicher hinsichtlich der Quellenkritik problematisch. Und auch wenn der Rezensent Bude das Erzählen von individuellen Erfahrungen noch durchgehen lassen mag, erscheint ihm die Studie durch dessen Verzicht auf bedeutende Aspekte wie die Vaterfrage, RAF oder die Ernüchterung einiger 68er wenig repräsentativ.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.02.2018

Dass Heinz Budes neues Buch "Adorno für Ruinenkinder" im Grunde ein "Remix" seiner bereits in den Achtzigern geführten Interviews mit Achtundsechzigern ist, stört Rezensent Jochen Schimmang keineswegs. Reflektiert der Autor die Gespräche unter der Frage "Was hat die Jahrgänge von 1938 bis 1948 überhaupt angetrieben?" doch noch einmal ganz neu, erklärt der Kritiker, der Bude zudem anrechnet, dass er das Buch nicht als die, sondern als eine Geschichte von 1968 verkauft. Und so liest der Kritiker mit Interesse nach, wie der Begriff der "Gesellschaft" dank Adorno an Breitenwirkung gewann, lauscht Zeitzeugen bei ihren Erinnerungen an Adorno-Vorlesungen und freut sich über Gespräche über die Film- und Buchkultur jener Jahre. Das Cover dieser Ausgabe würdigt Schimmang als "Hommage an die Suhrkamp-Kultur".