Hans-Wolfgang Platzer

Bronislaw Huberman und das Vaterland Europa

Ein Violinvirtuose als Vordenker der europäischen Einigungsbewegung in den 1920er und 1930er Jahren

Klappentext

Bronislaw Huberman (1882-1947), einer der großen Violinvirtuosen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bekannt als ein Künstler, der sich dem Nationalsozialismus entgegenstellte und bedrohten jüdischen Musikern zum Überleben verhalf, war auch ein bedeutender Vordenker und Botschafter eines vereinten Europa. Diesem kaum bekannten Engagement Hubermans in der europäischen Einigungsbewegung nach dem Ersten Weltkrieg widmet sich dieses Buch. Es stellt anhand seiner Schriften und seines Briefverkehrs einen politisch weitsichtigen Künstler vor, der sich mit originellen Gedanken und unermüdlichem Elan für ein Vaterland Europa einsetzte. Mehrere Kernelemente der Huberman'schen Europakonzeption haben nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich den Einigungsprozess bestimmt: die politisch eingebettete Zollunion als Ausgangsprojekt, der Utilitarismus als Triebfeder und die Ökonomie als strategische Entwicklungsachse. Die heutige Europäische Union weist in einer Reihe wichtiger Politikfelder Integrationsleistungen auf, die Huberman ein knappes Jahrhundert zuvor beschrieben und gefordert hat. Auch lebt der normative Gehalt seiner auf Völkerfrieden und gesellschaftliche Wohlfahrt gerichteten Botschaften in gegenwärtigen Europa-Diskursen fort. Der Brückenschlag zur heutigen Europäischen Union zeigt, wie aktuell Hubermans Denken in einer Zeit ist, in der in einem krisengeschüttelten Europa eine bedenkliche Geschichtsvergessenheit um sich greift.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2019

Endlich kann man den großen polnischen Violinisten Bronislaw Huberman nach der Lektüre dieses Buches auch als "großen Paneuropäer" würdigen, schreibt Harald Eggebrecht. Sehr beeindruckt ist er davon, wie Platzer die Huberman'schen Forderungen herausarbeitet: Gleichzeitig politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell müsse der paneuropäische Gedanke verwirklicht werden, solle es nicht zu einem nationalistischen Unglück kommen, so Huberman nach dem Ersten Weltkrieg. Der Rezensent betont, wie wenige Musiker sich im Allgemeinen auf ein politisches Engagement einließen, streicht Casals und als jüngeres Beispiel Barenboim heraus. Dann aber kommt er wieder auf die überraschend realpolitischen Forderung des gegenseitigen Nutzens zurück, die Huberman früh erhoben hat und die in der Tat einer der Grundpfeiler der späteren EWG gewesen sind. Auch für die Erinnerung an diesen leider wieder sehr aktuellen politischen Zusammenhang dankt Eggebrecht dem Autor.
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