Am Ende des Ersten Weltkriegs schien sich in ganz Europa die Demokratie als Staatsform durchgesetzt zu haben. Doch die neuen Systeme hatten keinen Bestand: Die Machtübernahme des Faschismus in Italien (1922) und der Untergang der Weimarer Republik durch die Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland (1933) stellten nur die spektakulärsten Beispiele für den Kollaps parlamentarischer Regierungsformen dar. So existierte in Mittel- und Osteuropa kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs mit der Tschechoslowakei nur noch ein einziger demokratischer Staat!
Boris Barth untersucht die tieferen Ursachen, die zum Niedergang der europäischen Demokratien in der Zwischenkriegszeit führten. Seine Darstellung folgt dabei nicht den Nationalgeschichten einzelner Länder, sondern ist problemorientiert angelegt und umfasst alle wichtigen Themenfelder der Zwischenkriegszeit - vom Versailler Vertrag über den Revisionismus und die Gewalterfahrungen des Ersten Weltkriegs bis
hin zur Weltwirtschaftskrise.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2016
Rezensent Cord Aschenbrenner empfiehlt Boris Barths Buch über die Jahre 1918-1938 in Europa. Schon, weil Flucht und Vertreibung und Skepsis der Demokratie gegenüber heute wieder Thema sind, meint er. Wie der Neuzeithistoriker die Krisen der Zeit infolge der diversen französischen Friedensverträge erkundet, Ungarns riesige Gebietsverluste etwa, und die daraus entstehenden Fluchtbewegungen, versorgt Aschenbrenner mit einer Fülle an erhellenden Informationen und Analysen. Leider, leider, meint Aschenbrenner, schreibt Barth das übliche verdichtete und wenig anschauliche Wissenschaftsdeutsch und lässt keine Zeitzeugen zu Wort kommen. Schade, denn das Buch lohnt die Lektüre, versichert der Rezensent.
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