In einem ungenutzten Keller auf dem Vereinsgelände des 1. FC Nürnberg wurde die Mitgliederkartei für den Zeitraum von 1928 bis 1955 gefunden, die bislang als verschollen galt. Unter den rund 12.000 Karteikarten finden sich auch die Namen von 142 jüdischen Club-Mitgliedern, die im April 1933 aus antisemitischen Gründen aus dem Verein geworfen wurden.Die Entdeckung dieser Kartei ist ein Fund von unschätzbarem Wert, denn unter den Vereinen der 1. und 2. Bundesliga verfügt nur noch Hertha BSC über eine solch vollständige Mitgliederkartei aus der Zeit des Nationalsozialismus.Im Mittelpunkt dieses Buches stehen die Biografien der 142 jüdischen Mitglieder, die den 1. FC Nürnberg 1933 verlassen mussten: Der fußballbegeisterte Jugendliche, dessen Vater in der Reichspogromnacht von SA-Trupps erschlagen worden war und der später in ein KZ deportiert und dort ermordet wurde. Der Tennis spielende Rechtsanwalt, der als Vorsitzender der Satzungskommission im Verein die "politische und religiöse Neutralität" durchgesetzt hatte und später in England als "Enemy Alien" interniert wurde. Oder der Kaufmann, der sich in einer wahren Odyssee über Italien, Belgien, Frankreich und Trinidad nach New York in Sicherheit gebracht und fast 50 Jahre später den Ausschluss aus dem 1. FC Nürnberg noch immer nicht verwunden hatte.Bernd Siegler hat die Lebensgeschichten und Schicksale der vom Club verstoßenen jüdischen Mitglieder recherchiert, sie erhalten damit erstmals nicht nur einen Namen, sondern auch eine Geschichte und ein Gesicht. Das Buch bleibt aber nicht in der Vergangenheit stehen. Es handelt auch von den Tätern von damals und wie sie nach 1945 wieder an einflussreicher Stelle wirken konnten, vom Umgang des Vereins mit der eigenen Geschichte sowie dem immer noch virulenten Antisemitismus im Fußball.
Christopf Ruf scheint schockiert, aber auch gerührt von Bernd Sieglers akribischer Aufarbeitung der Vereinsgeschichte des FC Nürnberg während der NS-Zeit. Wie prompt der Verein sich 1933 seiner jüdischen Mitglieder entledigte, erfährt er hier ebenso wie die ein oder andere erstaunliche Lebensgeschichte, so die der unter den Nazis geschmähten Schwimmerin Gerda Schloss, die später in Israel als Komponistin berühmt wurde. Gut, dass es diese Aufarbeitung gibt, findet Ruf, allerdings kommt sie viel zu spät, meint er.
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