Götz Müller hatte Blumenberg dafür kritisiert, den modernen politischen Mythen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Das nun im Nachlass entdeckte "Manuskript" zeigt jedoch, dass Blumenbergs Theorie des Mythos durchaus im Kontext einer intensiven Auseinandersetzung mit den politischen Verwendungen mythischer Denkfiguren entstanden ist. Während in "Arbeit am Mythos" der Totalitarismus des 20. Jahrhunderts nur am Rande erwähnt wird, rückt dieser Text Hitlers und Goebbels' Mythengebrauch ins Zentrum.In "Präfiguration" führt Blumenberg vor, dass diese nicht etwa geschickte Propagandisten waren, die historische Mythen nur instrumentalisierten, sondern in wahnhafter Bezugnahme auf Figuren wie Alexander, Friedrich der Große und Napoleon eine übertrumpfende Wiederholung zu inszenieren suchten. Diese Analysen gewinnen ihre besondere Bedeutung nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über das Verhältnis von Gewalt, Mythos und Monotheismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.07.2014
Das zu Lebzeiten von Blumenberg zurückgehaltene und nun veröffentlichte Kapitel aus "Arbeit am Mythos" von 1979 liest Oliver Müller als ein Vermächtnis des Autors, der darin seine Zeugenschaft des Nazi-Regimes verarbeitet. Wie politisches Handeln mit historischen Situationen und Personen gerechtfertigt wird, untersucht Blumenberg laut Müller anhand verschiedener Kontexte, so beim Staufenkaiser Friedrich II., beim George-Kreis oder, hier zentral, bei Hitler und Goebbels im Führerbunker. Wie Blumenberg diesen Mythomanen szenisch und Einträge aus Goebbels Tagebüchern mit einem spöttischen Kommentar montierend nachgeht, hält der Rezensent für stilistisch stark. Auch wenn sich ihm das Peinvolle von Blumenbergs Ringen um eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Kulturbruch durch die Nazis durchaus erschließt und damit die Zurückhaltung des Kapitels.
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