Arkadien, ursprünglich ein raues Hochland auf der Halbinsel Peloponnes, erscheint bereits seit hellenischer Zeit mythisch verklärt als Ort ländlicher Idylle, an dem Mensch und Tier glücklich miteinander lebten. Unzählige Male ist dieser Mythos seitdem in Literatur, Kunst, Musik und Theater aufgegriffen und variiert worden. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert wurde Arkadien vollends zum ideellen Sehnsuchtsort der in südliche Gefilde reisenden Bildungsbürger. In Vergessenheit geraten sind jedoch Alltag und Wirklichkeit der ursprünglichen pastoralen Lebenswelt. In ihrem Buch lädt Barbro Santillo Frizell den Leser ein auf eine ebenso lehrreiche wie faszinierende Reise durch Raum und Zeit. Von der Antike bis in die heutige Zeit geht sie den Ursprüngen pastoralen Lebens im mediterranen Raum nach. Sie betrachtet Landschaften, Tierhaltung, landwirtschaftliche Produktionsweisen, Handelswege und Märkte, aber auch deren Auswirkungen auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Menschen. Es entsteht ein lebendiges Bild der Antike, in dem der Mythos Wirklichkeit wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2009
Angetan zeigt sich Rezensent Thomas Poiss von Barbro Santillo Frizells Buch über "Mythos und Wirklichkeit" Arkadiens. Der Archäologin gelingt es in seinen Augen überzeugend, den Mythos von Arkadien auf seine agrarische Basis zu stellen. Deutlich wird für ihn, dass die Hirten keineswegs randständige gesellschaftliche Figuren, sondern Spezialisten in einer hochdifferenzierten Agrarkultur waren. Barbo zeige, dass die antiken und auch späteren Stadtkulturen viel intensiver mit der Weidewirtschaft verflochten waren, als man bislang angenommen hatte. Aufgrund dieses Befunds ist nach Einschätzung von Poiss die außerliterarische Grundlage der Pastoraldichtung neu zu durchdenken. Gelungen findet er insbesondere die Verbindung von Detailforschung und "anschaulicher" Darstellung.
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