Aus dem Französischen von Mona Belkhodja und Marcus Coelen. Botticelli als Begründer nicht nur des Ideals reiner Schönheit, sondern auch eines perversen und grausamen Bildes der Nacktheit, bedrohlich und bedroht zugleich? Botticelli neu gedacht mit Freud, Bataille und de Sade? Neben Botticelli ist es die eigenartige Darstellungstradition der "Venus der Medizin" - jenen anatomischen Wachsmodellen des 18. Jahrhunderts -, an denen Didi-Huberman sein Thema entfaltet: die Verflechtung von Nacktheit und Gewalt, von Schönheit und Krankheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006
Schluss machen will der renommierte Kunstwissenschaftler Georges Didi-Huberman mit den verharmlosenden, ja "frigidisierenden" Lektüren der Venus und überhaupt von Nacktheit bei Botticelli. Was der Autor dabei entdeckt und ans Licht zerrt, hat mit dem Bild, das man sich bis heute gerne von antikentrunkener Schönheitsliebe der Renaissance macht, wenig zu tun. Völlig überzeugend findet die Rezensentin Christine Tauber diese Analyse insbesondere in den Analysen des Zyklus "Gastmahl des Nastagio degli Onesti", die sich wiederum auf die Quelle der dargestellten "mänadengleichen" nackten Frau berufen - nämlich die Novelle "Höllenjagd" aus Boccaccios "Decamerone". Didi-Huberman folgt diesem Motiv einer "nächtigen, grausamen, unreinen" Geschichte weiblicher Körperdarstellung bis ins 18. Jahrhundert, und zwar mit der Lektüre der Reiseberichte des Marquis de Sade. Auch hier macht die Rezensentin keinen Widerspruch geltend, sie scheint von diesem "ingeniösen Essay" rundum begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.09.2006
Bekannt dafür, berühmte Kunstwerke ganz anders zu betrachten als in der Kunstgeschichte üblich, hat George Didi-Huberman mit seinen Betrachtungen der "Geburt der Venus" von Botticelli wieder einmal einen Augen öffnenden Essay vorgelegt, konstatiert Andreas Strobl fasziniert. Indem er den Ursprung der das Ideal der reinen Schönheit verkörpernden Venus untersucht, die dem Mythos nach aus dem Schaum des ins Meer geworfenen abgeschlagenen Penis des Uranus entstanden ist, erweist sich die Kehrseite der Schönheit als das Ekelhafte und Grausame, erklärt der Rezensent. Von hier aus schlage der französische Autor einen Bogen zu den Texten des Marquis de Sade, so der beeindruckte Strobel weiter, der gerade die ungewohnten Perspektiven des Autors "unvergleichlich anregend" findet.
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