Hannelore Grünberg-Klein

Ich denke oft an den Krieg, denn früher hatte ich dazu keine Zeit


Klappentext

Aus dem Niederländischen von Marianne Holberg. Hannelore Grünberg-Klein schrieb auf, worüber sie zeit ihres Lebens nicht sprechen konnte. Sie schildert die Flucht ihrer Familie aus Nazideutschland, wo sie bis zum Alter von elf Jahren glücklich aufwuchs. Im Mai 1939 geht die Familie zusammen mit 937 anderen Emigranten an Bord der St. Louis. Das Schiff nimmt Kurs auf Kuba, doch in Havanna werden die Passagiere trotz gültiger Visa und flehender Appelle nicht an Land gelassen. Die St. Louis muss umkehren nach Europa, wo das Unheil wartet. Erst in letzter Sekunde erklären sich die Niederlande, Großbritannien und Belgien bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen. Doch das ist erst der Anfang. Hannelore Grünberg-Klein, die mit ihrer Familie nach Amsterdam gekommen war, ist am Ende die Einzige, die die Lager Westerbork, Theresienstadt, Auschwitz und Mauthausen überlebt. Erst in den 1990er-Jahren hat sie die Kraft gefunden, ihre Geschichte für ihre inzwischen erwachsenen Kinder aufzuschreiben. Im Alter von 87 Jahren erhielt Hannelore Grünberg-Klein dann einen Buchvertrag für ihre Memoiren, sie starb kurz vor deren Veröffentlichung im Februar 2015.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2016

Dass Hannelore Grünberg-Kleins Erinnerungen an den Holocaust zeitgleich mit "Muttermale", dem neuen Roman ihres Sohnes erscheinen, findet Rezensent Andreas Platthaus klug. Denn diesem ebenso "schlichten" wie berührenden Text wünscht der Kritiker viele Leser: Wie eine "abendliche Erzählung" im Familienkreis erscheint dem Rezensenten dieser Text, in dem Grünbergs Mutter von ihren Erfahrungen zunächst im niederländischen Exil, später im Lager schreibt. Das Buch ist darüber hinaus nicht nur ein lesenswertes Dokument eines individuellen Schicksals in der Shoah, so Platthaus, sondern überzeugt auch durch das Nachwort von Arnon Grünberg, der dort die Persönlichkeit seiner Mutter beschreibt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2016

Bereits in den neunziger Jahren hatte Hannelore Grünberg-Klein ihre Lebensgeschichte für den engsten Familienkreis aufgeschrieben, informiert Rezensent Ijoma Mangold. Dass diese nun gleichzeitig mit dem neuen Roman ihres Sohnes Arnon Grünberg erscheint, erfreut den Kritiker. Denn Grünbergs Mutter, eine in Berlin geborene Jüdin, schreibt berührend und zugleich in "stoisch-gleichmütiger Anschaulichkeit", lobt der gebannte Kritiker. Wenn er etwa liest, wie Grünberg-Klein von ihrer aus politischen Gründen gescheiterten Flucht auf dem Schiff St. Louis Richtung Kuba erzählt, erkennt der Rezensent Parallelen zur Gegenwart. Ein "kunstlos-kunstvolles" Buch, das ganz ohne Sentimentalitäten vom Überleben im KZ erzählt, staunt der Kritiker.