Herausgegeben von Otthein und Angela Rammstedt. Bearbeitet und herausgegeben von Klaus Christian Köhnke. Wer Simmel im Kontext verstehen will, ist - mangels sonstiger autobiografischer Zeugnisse - auf sein Briefwerk angewiesen, das im Rahmen der Gesamtausgabe in einer zweibändigen, sorgfältig kommentierten Edition erscheint, die sämtliche überlieferten Schreiben von Simmel enthält sowie alle Briefe an Simmel, die als Durchschriften und Abschriften erhalten sind. Der nun vorliegende erste Briefband umfasst den Zeitraum von Simmels Studienzeit in Berlin bis zum Erscheinen seiner Essaysammlung "Philosophische Kultur" im Jahr 1911, die zweifellos den Höhepunkt seiner öffentlichen Wirksamkeit zur damaligen Zeit markiert. Die Briefe dieses Bandes dokumentieren nicht nur Simmels Teilnahme an den internationalen Bemühungen um die Etablierung der Soziologie, sondern erzählen auch überaus anschaulich von den Anfangsjahren der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, zu deren Gründungsvorstand Simmel (neben Friedrich Tönnies, Werner Sombart und Max Weber) gehörte, sowie von der Gründung der Internationalen Zeitschrift für Philosophie der Kultur Logos, die Simmel bis zu seinem Tod mitherausgab. Sie sind aber auch ein Stück intellektuelle Biografie, denn viele Schreiben gelten seinen Publikationen, nicht wenige seinen Karriereproblemen, mit denen Simmel zeit seines Lebens zu kämpfen hatte, und im Hintergrund blitzt immer wieder Simmels unkonventionelle Persönlichkeit auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2008
Rezensent Ralf Konersmann begrüßt die nun im Rahmen der Gesamtausgabe der Werke Georg Simmels erschienenen Bände 22 und 23 mit der Korrespondenz des Philosophen und Soziologen. Er würdigt die zuverlässige Arbeit der Herausgeber, denen er bescheinigt, Konstellationen und Voraussetzungen der Korrespondenz dem Leser nahezubringen. Die Briefe verdeutlichen für Konersmanns, wie Simmel immer wieder von Kollegen an den Rand gedrängt wurde. Sie werfen seines Erachtens auch ein neues Licht auf die kurze Kriegsbegeisterung Simmels sowie auf sein Schwanken zwischen Philosophie und Soziologie und belegen, dass er sich im Zweifel als Philosoph verstand. Konersmann bedauert, dass wichtige Teile des Briefwechsels, darunter Korrespondenzen mit Sombart, Bergson, Goldschmidt, Durkheim oder Cassirer, verloren sind. Die erhaltenen Bruchstücke scheinen ihm gleichwohl "aussagekräftig und erhellend". Simmels Selbsteinschätzung, kein großer, ja überhaupt kein Briefschreiber zu sein, findet Konersmann durch vorliegende Bände jedenfalls widerlegt. Das genaue Gegenteil scheint ihm der Fall: "Nicht wenige seiner Briefe sind kleine literarische Kostbarkeiten".
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…