Kritische Gesamtausgabe herausgegeben von Friedrich Wilhelm Graf, Volker Drehsen, Gangolf Hübinger, Trutz Rendtorff. Band 4 herausgegeben von Friedrich Wilhelm Graf in Zusammenarbeit mit Gabriele von Bassermann-Jordan. Zwischen 1901 und 1914 publizierte Ernst Troeltsch 150 Rezensionen zu Neuerscheinungen in Theologie, Philosophie, Sozialwissenschaften und Kulturgeschichte. Viele dieser häufig an weit entlegenen Orten publizierten Texte waren bisher nicht bekannt. Sie bieten nicht nur faszinierende Einblicke in Troeltschs Denkwerkstatt, sondern erschließen auch neue Perspektiven auf die im Heidelberger Gelehrtenmilieu geführten Debatten über die Kulturbedeutung von Religion und Christentum. Troeltsch rezensierte Texte von James, Simmel und Rickert, schrieb einen großen Nachruf auf seinen Freund Georg Jellinek, nahm an den Methodendebatten der deutschen Historiker intensiv Anteil und entwickelte in Rezensionen das integrative Konzept einer Theologie als Kulturwissenschaft des Christentums.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2004
Als "intellektuelles Purgatorium" für Christen und christliche Theologen sowie die "Gebildeten unter ihren Verächtern" würdigt Rezensent Johannes Weiss die Arbeiten des evangelischen Theologen, Philosophen und Historikers Ernst Troeltsch (1865-1923), den er einen der "bedeutendsten unter den erstaunlich vielen bedeutenden Gelehrten" seiner Zeit nennt. "Bestens ediert und kommentiert" findet er vorliegenden vierten Band der auf 21 Bände angelegten Kritischen Gesamtausgabe, der 122 Rezensionen und Kritiken des Theologen versammelt. Die Rezensionen zeigten Troeltsch im "unermüdlichen intellektuellen Kampf auf allen erwähnten Feldern und an vielen Fronten zugleich", berichtet Weiss. Ausführlich schildert er die inner- und außertheologischen Auseinandersetzungen, die Troeltsch mit seinen Gegnern in den Rezensionen führte. Friedrich Wilhelm Graf, der in seiner "instruktiven Einleitung" bemerkt, Troeltsch entwerfe in diesen Rezensionen "gleichsam eine Topographie der theologischen Positionslandschaft seiner Zeit", kann Weiss nur beipflichten. Auch Grafs Einschätzung, Troeltschs eigentliches Interesse bestehe im Aufweis und in der Stärkung der "Modernitätskompatibilität des Protestantismus" findet seine Zustimmung.
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