Armut ist ein drängendes Problem in Deutschland, doch rituelle Empörung führt nicht zu politischem Handeln. Georg Cremer räumt mit einigen verbreiteten Irrtümern und Fehlinterpretationen auf und zeigt, wo die Probleme wirklich liegen. Er legt dar, wo der Sozialstaat sich selbst im Weg steht, und plädiert für einen breiten Ansatz der Armutspolitik. Dabei geht es um eine Politik die Menschen hilft, ihre Potenziale zu entfalten, und die Teilhabe ermöglicht.
Die Armutsdebatte in Deutschland nützt den Armen nicht. Sie bietet keine Orientierung darüber, wie Armut wirksam zu bekämpfen ist. Die Superlative der Skandalisierung rütteln nicht auf, sondern stumpfen ab. Und sie befördern die Angst in der Mitte der Gesellschaft, die sich ohnehin bereits im Abstieg wähnt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.09.2016
Guido Bohsem empfiehlt jedem das Buch von Georg Cremer, der über Armut anders als mittels Halbwahrheiten und Gefühlen diskutieren möchte. Die aufklärerische Akribie und Verve, mit der der Autor Zahlen, Begriffe, Gesetze und Tonlagen der Diskussion analysiert, imponiert Bohsem und vermittelt ihm, wie wenig förderlich die fortschreitende Skandalisierung des Themas durch Medien und die Politik ist. Nicht nur den bedeutenden Unterschied zwischen "arm" und "armutsgefährdet" lernt Bohsem hier, auch die Themen Einkommensungleichheit, Unterschiede Ost und West, Rente und Hartz IV behandelt der Autor statistisch sauber und benennt sogar Lösungsmöglichkeiten.
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