Hans-Ulrich Wehler

Die neue Umverteilung

Soziale Ungleichheit in Deutschland
Cover: Die neue Umverteilung
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406643866
Gebunden, 191 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Wer kommt hierzulande nach oben, wer bleibt in der Regel stecken? Wie viel Vermögen haben wie viele? Wer wird gut versorgt, wenn er krank wird, wer ist schlecht dran? Wer heiratet wen? Wer wohnt wie? Verschärft sich die soziale Ungleichheit im Alter? Wie steht es um die Bildungschancen und die Rolle von Geschlecht, Herkunft, Religion, um das Verhältnis von West und Ost? Die Diagnose ist ernüchternd und nicht selten bedrückend: Bei allen eindrucksvollen Leistungen der deutschen Wirtschaft und aller unbestrittenen Wohlstandssteigerung der vergangenen Jahrzehnte ist die Bundesrepublik ein Land der "exzessiven Hierarchisierung" geblieben, in dem der Fahrstuhl nur für wenige nach oben führt, aber für immer mehr nach unten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.04.2013

Erhellend scheint Stefan Reinecke dieses schmale Buch über die soziale Ungleichheit in Deutschland von Hans-Ulrich Wehler. Er unterstreicht, dass der Sozialhistoriker bei seinem kompakten Überblick über die Sozialgeschichte der Kluft zwischen Arm und Reich, auf das theoretische Instrumentarium von Max Weber und Pierre Bourdieu und deren Klassenbegriff zurückgreift. Dass andere theoretische Ansätze, die eher individualisierte Lebensstile fokussieren, von Wehler nebenbei abgekanzelt werden, missbilligt Reinecke. Nichtsdestoweniger findet er die Befunde Wehlers aufschlussreich und seine Erklärungen der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich seit 1949 weitgehend überzeugend. Er hebt in diesem Zusammenhang etwa die Erläuterungen über die Steuerpolitik hervor, die die Reichen bevorzugt. Besonders instruktiv sind für ihn Wehlers Ausführungen über die großen Entwicklungslinien der deutschen Klassengeschichte. Im Blick auf die Therapie hätte er sich von dem Autor allerdings etwas konkretere Vorschläge gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013

Sollen wir wirklich das neue Buch des Sozialhistorikers Hans-Ulrich Wehler lesen, um zu erkennen, dass es einen altbekannten Diskurs zusammenfasst und das nicht mal erschöpfend, sondern mit "flagranten Auslassungen", wie es Felix Ekardt fasst? Nein, dazu fehlt uns wohl die Zeit. Und um zu lernen, wie nötig in Ekardts Augen die Diskussion um soziale Ungleichheit hierzulande eine Erweiterung braucht, müssen wir uns nur seine Besprechung zu Gemüte zu führen. Die nämlich erklärt uns, wie sehr das Thema an das Thema Zukunft der Arbeit gebunden sei, an Gedanken über Arbeitszeitverkürzung, und Arbeitskapazitätenumverteilung. Wehlers Wachstumsprimat, glaubt der Rezensent, stößt hier an seine Grenzen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2013

Der Mittelstand kommt dem Rezensenten eindeutig zu kurz in diesem Buch des Bielefelder Sozialhistorikers Hans-Ulrich Wehler. Dass Wehler sich auf die Macht kleiner Eliten wirft, wenn er versucht, der wachsenden sozialen Ungleichheit im Land auf die Schliche zu kommen, ist das Eine. Dass Wehler hier weiter ausholt als bis zum Rundumschlag, findet Jasper von Altenbockum hingegen richtig,  auch wenn ihm der ultralange theoretische Vorlauf (über Marx, Weber, Bourdieu) dann doch ein kleines bisschen übertrieben erscheint. Zumindest für die sich anschließende Einsicht des Autors, die der Rezensent sofort allen SPD-Wahlkämpfern als Pflichtlektüre empfiehlt.
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