Die Landschaft der sozialen Ungleichheit hat sich dramatisch verändert. Nicht nur die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich Immer weiter, eine wachsende Anzahl von Menschen verliert auch den Anschluss an den Mainstream unserer Gesellschaft. Sie leben an den Rändern der Großstädte, in den Neubaugebieten des sozialen Wohnungsbaus - in Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit oder massiver Unterbeschäftigung, mit maroden Schulen und demollerten Bahnhöfen. Hier treffen ökonomische Marginalisierung, räumliche Abschottung und der Verfall der Zivilgesellschaft zusammen. In den Innenstädten von Lüttich, Aberdeen oder Duisburg trifft man am späten Vormittag auf Menschen, die aus der Welt der Chancen und Herausforderungen verbannt zu sein scheinen. Die Werbeplakate für Italienischen Espresso und französische Coupes haben genauso wenig mit Ihnen zu tun wie die auf Dienstleistung, Lebensqualität und Freizeitwert ausgerichtete Stadtentwicklungspolitik. Diese Menschen bewegen sich eine Spur zu langsam, ihr Blick geht wahllos am Warenangebot vorbei; schlechtes Essen, billige Unterhaltung und endlos viel Zeit hat Ihnen die Energie geraubt, und die gesellschaftliche Teilhabe ist auf ein Mitlaufen ohne Ziel und ein Dasein ohne Ort reduziert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.01.2007
Angela Gutzeit hat den Sammelband über das Problem der Ausgrenzung sozial und wirtschaftlich Benachteiligter mit großem Interesse gelesen, wobei sie sich der Frage der Herausgeber anschließt, warum Exklusion eigentlich erst jetzt ins öffentliche Blickfeld rückt, obwohl das Problem schon lange besteht. Sie würdigt den Band als Pionierarbeit bei der Untersuchung der gesellschaftlichen Umwälzungen, die mit dem Ausschluss benachteiligter Bevölkerungsgruppen einhergehen und lobt, dass die Autoren das Thema mit tiefgründigen, komplexen Überlegungen angehen. Besonders die "differenzierte Betrachtungsweise" der Beiträge hebt die eingenommene Rezensentin hervor und sie findet die These, dass Exklusion nicht das Ergebnis gesichtsloser Globalisierung, sondern als Folge gesellschaftlicher Zustände zu bewerten ist, sehr überzeugend.
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