Fred Pearce

Land Grabbing

Der globale Kampf um Grund und Boden
Cover: Land Grabbing
Antje Kunstmann Verlag, München 2012
ISBN 9783888977831
Gebunden, 320 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan. Land ist begehrt wie nie: Staaten wie China, multinationale Firmen und reiche Privatanleger investieren neuerdings massiv in Grund und Boden. Ob in Afrika, Asien oder Südamerika - Anbauflächen von der Größe ganzer Provinzen wechseln den Besitzer. Doch wenn Agrarland zum Spekulationsobjekt wird und Hedgefonds über die fruchtbarsten Anbaugebiete unseres Planeten bestimmen, sind die Folgen für uns alle unabsehbar. Der bekannte Umweltjournalist Fred Pearce hat in über 20 Ländern Käufer und Investoren interviewt (unter denen sich neben Ölscheichs, Goldman Sachs und Lord Rothschild vermutlich auch Ihr Pensionsfonds befindet), aber auch mit den betroffenen Bauern, Viehzüchtern und Naturvölkern in Sumatra, Brasilien oder Liberia gesprochen. Wir erfahren, was Abholzungslizenzen in Zentralafrika mit einer französischen Präsidentenwahl zu tun haben und wo und warum George Soros, aber auch die kolumbianische Drogenmafia und die Moon-Sekte in Land investieren. Es geht um Nahrungsmittelproduktion für eine wachsende Bevölkerung - aber auch um gewaltige Profite und einen neuen Kolonialismus, dessen Bedeutung und Dramatik selbst die Klimafrage in den Schatten stellt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.11.2012

Fred Pearce' Buch über "Land Grabbing" hat Agnes Steinbauer beeindruckt. Deutlich wird für sie, dass die im globalen Stil betriebene Landnahme durch finanzstarke Investoren schon heute katastrophale Folgen für Mensch und Umwelt hat: Umweltverschmutzung im gigantischen Ausmaß, Umsiedlungsaktionen für Tausende von Menschen, Ausbeutung und Arbeitslosigkeit. Besonders in Afrika ist ein Kampf um den Boden entbrannt, bei dem Investoren und Regierung undurchsichtige Deals zum Schaden der Bevölkerung schließen. Was der Wissenschaftsjournalist in diesem Buch schildert, ist für Steinbauer ein "wahrer Albtraum". Sie attestiert dem Autor profunde Recherchen auf allen Kontinenten und die erhellende Darstellung von Zusammenhängen, die häufig nicht gesehen werden. Ihr Fazit: "nichts für schwache Nerven", aber höchst lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2012

Ganz schön desillusioniert geht Wilfried von Bredow aus der Lektüre von Fred Pearces Buch über die Folgen von weltweiter Landhamsterung hervor. Was der reisende Wissenschaftsjournalist an Informationen über die gezielte globale Landnahme durch Regierungen und Großkonzerne zusammenträgt, macht von Bredow nicht nur die Knappheit der Ressource Land bewusst, sondern auch die chaotische Vorgehensweise im Umgang mit ihr. Dabei lernt der Rezensent, dass es unbenutztes Land nicht gibt (nur unterschiedliche und unterschiedlich nachhaltige Nutzungsarten) und dass der Impuls zum Landabgreifen nicht immer ein schlechter sein muss, Beispiel Biosprit. Die Folgen, so weiß der Rezensent spätestens jetzt, sind allerdings katastrophal, was die Balance zwischen Natur und Mensch und soziale Strukturen angeht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2012

Dem weltumspannenden Phänomen der Landnahme widmet sich dieser Band von Fred Pearce, den die FAZ heute gleich zweimal bespricht, und das nicht einmal kontrovers. Wenn der Autor Regierungsvertretern auf Einkaufstour durch die Welt folgt, die Büros der Nahrungsmittelspekulanten besucht und mit dem Märchen aufräumt, ausländische Investitionen könnten das Fortkommen rückständiger Weltregionen befördern, bekommt Manuela Lenzen einen Eindruck davon, wie post-staatlicher Chaos-Kapitalismus aussieht: gar nicht gut nämlich. Dem Autor vertraut sie, weil er seine Urteile abwägt, drei Jahre auf dem gesamten Globus recherchiert hat und auch positive Beispiele anerkennt. Insgesamt aber lässt Pearce die Rezensentin nicht im Zweifel, dass Land Grabbing eine verheerende Entwicklung darstellt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2012

Karin Steinberger fände es absurd, zu glauben, dass "wir nichts mit all dem zu tun haben". All das, das heißt: Landraub und Umweltzerstörung. Fred Pearce Buch "Land Grabbing" sei zwar anstrengend und aufgrund der schieren Informationsmenge etwas sperrig, aber trotzdem gut gelungen, versichert die Rezensentin. Gut genug jedenfalls, um die Rezensentin wütend zu machen, obwohl sie viele der Fakten schon kannte. Zum Beispiel, dass Indonesien fünfhundert Holzeinschlagskonzessionen an Privatinvestoren vergeben hat, was dreiundfünfzig Millionen Hektar Wald betreffe: "Eine Fläche, größer als Spanien". Es seien zwar schon viele Bücher zu ähnlichen Themen geschrieben worden, aber trotzdem lohne sich das Buch, meint Steinberger. Der Autor fasse sehr konsequent an die kollektive eigene Nase.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2012

Für die Rezensentin Christiane Grefe ist Fred Pearce' neues Buch "Land Grabbing" der tiefsinnigste Beitrag zu einem der "brisantesten" Themen dieses Herbstes. Gebannt liest sie die Reportagen des preisgekrönten Wissenschaftsjournalisten, der auf allen Kontinenten unterwegs war, um auf die Vertreibung von Bauern und Hirten von ihrem Grund und Boden und die Krise des globalen Agrarsystems aufmerksam zu machen. Grefe erfährt hier etwa, wie sich Firmen aus Indien, China, Saudi-Arabien und europäischen Ländern aus Profitinteresse Land in Liberia für den Anbau von Palmöl, in Brasilien und Paraguay für Soja und in Indonesien für Holz sichern und wie Fondsmanager, Großgrundbesitzer, Konzern- und Regierungsstrategen Bauern in Staaten mit schwachen Regierungen oder unklaren Eigentumsrechten verdrängen. Eine Vielzahl von "Dramen" offenbart sich der Rezensentin hier, wenn sie etwa erfährt, dass äthiopischen Bauern in der Umgebung einer Plantage des saudischen Milliardärs Al-Ahmudi lebenswichtiges Wasser entzogen wird. Pearce gelinge es nicht nur auf eindrucksvolle und spannende Weise, "Wert und Gefährdung der Allmende" darzustellen, lobt die Kritikerin, er würdige in seiner "unvoreingenommenen" Analyse auch Investoren, die sich ihrer Pflichten gegenüber den Bauern bewusst seien.