Raphael Gross (Hg.), Julia Voss (Hg.)
Natur und deutsche Geschichte
Im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht

Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751840415
Gebunden, 248 Seiten, 28,00 EUR
ISBN 9783751840415
Gebunden, 248 Seiten, 28,00 EUR
Klappentext
"Natur" ist ein vielschichtiger und schillernder Begriff, der in der deutschen Geschichte überraschende Wandlungen durchlief. Von Hildegard von Bingens Konzept der "Grünkraft" bis zur Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er-Jahre: Im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht haben Regierungen sowie unterschiedlichste politische und religiöse Bewegungen ihren je eigenen Naturbegriff definiert und für sich beansprucht. Natur und deutsche Geschichte zeigt Umbrüche und Verschiebungen in den Naturvorstellungen aus 800 Jahren. Anhand von beispielhaften Ereignissen aus der Zeit des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, der Zeit der Industrialisierung, des Nationalsozialismus sowie des geteilten Deutschlands wird Geschichte in Geschichten erzählt, gerahmt von Gesprächen mit herausragenden Historikern. Jede historische Epoche wird mit einem Tier oder einer Pflanze eingeleitet: vom Wolf und Beluga-Wal über die Eiche, die Kartoffel und das Usambaraveilchen bis zur Burgunder-Traube. Historische Rezepte spiegeln die Bedeutung von Lebensmitteln und Essgewohnheiten wider.Ein reich illustrierter Bildband, der die kontrastreichen Transformationen von Naturvorstellungen in der deutschen Geschichte vom Mittelalter bis in die 1970er-Jahre anhand ausgewählter Stationen anschaulich macht.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.01.2026
Rezensentin Sylvia Staude findet den von Raphael Gross und Julia Voss herausgegebenen, anlässlich einer Schau im Deutschen Historischen Museum erscheinenden Band aufschlussreich in Bezug auf unseren gegenwärtigen Naturbegriff. Die versammelten Autoren schreiben laut Staude darüber, wie sich das Verständnis von Natur gewandelt hat, vom Begriff für die natürliche Ordnung der Dinge im Mittelalter über den Nutzen der Natur etwa als Heilgarten bis zum Raubbau, der mit der Industrialisierung begann. U.a. die Kapitel über Maria Sibylla Merian (Toni Wagner) oder das "Reichsnaturschutzgesetz (Nils Franke und Julia Voss) bedeuten Staude, wie Naturzerstörung und -erhaltung einander abwechselten.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.01.2026
Rezensentin Susanne Billig empfiehlt den von Julia Voss und Raphael Gross herausgegebenen Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Deutschen Historischen Museum auch als eigenständige Lektüre. Inwieweit Natur immer schon Gegenstand gesellschaftlicher Prozesse war, zeigen die Autoren des Bandes laut Billig etwa anhand von konkreten Szenen, Essays und Interviews. So erinnert die Mittelalterhistorikerin Annette Kehnel an die Reaktionen auf die sogenannte "Kleine Eiszeit", die Foodhistorikerin Ursula Heinzelmann versammelt die Rezepte von Hildegard von Bingen. Die optische Ausstattung des Bandes findet Billig opulent, aber nicht bloß dekorativ, sondern quellenhistorisch wertvoll. Der Band kann u.a. dazu dienen, heutige Klimadebatten besser zu verstehen, glaubt die Rezensentin.
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